Pipelinebau Russland und Türkei besiegeln Kooperation

Das Wettrennen der Gaspipelineprojekte von Asien nach Europa geht weiter. Nun beschlossen die Türkei und Russland den Bau der Röhre "South Stream" durch Anatolien. Das europäische Vorhaben "Nabucco" gerät in Rückstand.

Ankara - Im Rennen um eine Gas-Pipeline durch die Türkei hat sich Russland die Unterstützung der Regierung in Ankara gesichert. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Tayyip Erdogan besiegelten am Donnerstag in Ankara eine Partnerschaft, die Russland grünes Licht für die Pipeline South Stream gibt.

Die Moskauer Regierung will damit der EU zuvorkommen, die an dem Konkurrenzprojekt Nabucco arbeitet. Erdogan und Putin betonten jedoch, dass sich die beiden Vorhaben nicht ausschlössen. Im Gegenzug unterstützt Russland Ambitionen des EU-Aspiranten Türkei, zu einem wichtigen Energieknotenpunkt in der Region zu werden, und stellt sich hinter eine geplante Öl-Pipeline vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer.

Der Bau der Pipeline South Stream soll spätestens im kommenden Jahr beginnen. Es gebe keine schwerwiegenden Gründe für eine Verzögerung, sagte der russische Energieminister Sergej Schmatko in Ankara. Durch die Leitung soll russisches Erdgas durch türkische Gewässer nach Mitteleuropa strömen.

Russland will mit der Pipeline die Ukraine und andere Ex-Sowjet-Staaten umgehen. In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Regierung in Kiew gekommen, bei denen es vor allem um Transitgebühren und den Gaspreis ging.

Nicht zuletzt nach dem auch für Europa im vergangenen Winter folgenschweren Gas-Streit zwischen Russland der Ukraine will die EU ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas verringern. Dafür wird an der Nabucco-Pipeline gearbeitet, die ebenfalls durch türkisches Gebiet Gas vom Kaspischen Meer aus nach Europa bringen soll.

Europa erhält ein Viertel seines Erdgases aus Russland, die Türkei zwei Drittel. Durch die nun geschlossene Vereinbarung dürfte die Versorgung von Gas aus Russland sichergestellt werden. Diese Sicherheit bleibt das Nabucco-Projekt bisher schuldig, das auch noch an einer Gas-Versorgung aus der Kaspischen Region und aus Zentralasien arbeitet.

Doch der österreichische Öl- und Gaskonzerns OMV, der zentral an Nabucco beteiligt ist, sieht ebenfalls Platz für beide Vorhaben. Die Projekte stünden in keiner Weise in Konkurrenz zueinander, sondern ergänzten sich, sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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