Schweinegrippe BIP könnte um 3,5 Prozent schrumpfen

Schon eine mittelschwere Schweinegrippe-Pandemie würde sich drastisch auf die Wirtschaftsleistung auswirken. Der Schaden dürfte laut einer Studie allein in Deutschland bis zu 75 Milliarden Euro betragen. Mitentscheidend sind psychologische Effekte.

Berlin - Eine Grippe-Pandemie könnte in Deutschland erhebliche wirtschaftliche Schäden anrichten. Schätzungen von Experten gehen von einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von knapp einem bis zu 3,5 Prozent aus.

Wie stark das Virus die Volkswirtschaft erwischt, hängt dabei vor allem von zwei Faktoren ab: der Schwere der Epidemie und den zuvor getroffenen Vorsichtsmaßnahmen. Bei einer mittelschweren Pandemie mit 100.000 Toten und 300.000 zusätzlichen Erkrankten in den Kliniken rechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) mit einem Schaden von 25 Milliarden bis 75 Milliarden Euro.

Das Virus würde die Wirtschaft an zahlreichen Stellen treffen: Die Kranken fehlen bei der Arbeit, die Geschäfte sind leer, weil sich viele Menschen nicht mehr aus dem Haus trauen, der Tourismus bricht ein. Hinzu kommen Gesundheitsausgaben. So schlägt eine Impfung der gesamten Bevölkerung mit rund zwei Milliarden Euro zu Buche. Die Krankenkassen haben bereits höhere Beiträge gefordert.

Ohne Notfallmaßnahmen - vor allem eine Impfung - rechnete das RWI in einer Studie aus dem Vogelgrippe-Jahr 2006 bei einer milden Pandemie mit einem BIP-Rückgang um rund ein Prozent. Bei einem schweren Verlauf fiele das Wachstum demnach um 3,6 Prozent geringer aus. Günstiger stellt sich die Lage nach einer Massenimpfung dar. Der negative Effekt auf die Wirtschaftsleistung reduziert sich dann der Studie zufolge auf minus 0,7 im milden und minus 2,2 Prozent im schweren Szenario.

Allerdings sind alle Pandemiestudien der vergangenen Jahre mit großen Unsicherheiten behaftet, wie die Forscher einräumen. Denn die Kostenvorhersage steht am Ende einer langen Reihe von Annahmen über den Krankheitsverlauf und die Auswirkungen auf die Wirtschaft: Wie irrational verhalten sich die Verbraucher wirklich? Lassen sich erkrankte Arbeitnehmer ersetzen?

Sicher scheint den Studien zufolge nur, dass es zu Reaktionen kommt. Vor allem der private Konsum dürfte unter dem Virus leiden. Darauf lässt der Verlauf der Lungenkrankheit Sars im Jahr 2003 schließen. Mit 8000 Infizierten und knapp 800 Toten verlief die Ansteckungswelle zwar vergleichsweise glimpflich, der Schaden für die betroffenen asiatischen Länder war mit rund 20 Milliarden Dollar aber enorm, wie das RWI vorrechnet.

Das lag vor allem an den negativen psychologischen Effekten. Tatsächlich war damals in Hongkong die Gefahr, als Autofahrer in einen tödlichen Unfall verwickelt zu werden, statistisch größer als das Risiko, sich im Flugzeug oder in der Bahn mit dem Sars-Erreger anzustecken. "Im Extremfall könnte eine Mischung aus staatlicher Intervention und kollektiver Risikovermeidung das gesamte öffentliche Leben lahmlegen", warnt die RWI-Studie.

Hinzu kämen der hohe Krankenstand und seine Auswirkungen auf die Produktion sowie absehbare Einschränkungen im Handel. Andererseits wären die Folgen aber auch begrenzt - denn anders als bei einer Naturkatastrophe bliebe die Infrastruktur erhalten. Die Volkswirtschaft dürfte sich also relativ bald wieder erholen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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