Industrie Ende der Rezession in Sicht

Die deutsche Industrie hat auch im Juni wesentlich mehr Aufträge an Land gezogen und verbucht mit 4,5 Prozent das stärkste Auftragsplus seit zwei Jahren. Damit verbessern sich die Aussichten für die Gesamtwirtschaft deutlich. Schon im Sommer soll die Wirtschaft wieder wachsen - zum ersten Mal nach mehr als einem Jahr stetigen Schrumpfens.

Berlin - Die deutsche Wirtschaft hat der Bundesregierung zufolge ihre Talfahrt gestoppt. Sie habe im gesamten zweiten Quartal "ihr Niveau behauptet", sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Donnerstag. Zuvor war sie ein Jahr in Folge von Quartal zu Quartal geschrumpft - im ersten Quartal mit 3,8 Prozent so stark wie noch nie.

Für die zweite Jahreshälfte erwartet Guttenberg wieder Wachstum. "Vor allem das anhaltende Plus bei den Bestellungen spricht dafür, dass die deutschen Unternehmen auch in der zweiten Jahreshälfte ihre Produktion weiter steigern können." sagte der Minister.

Die Industrie hatte im Juni den vierten Monat in Folge mehr Aufträge erhalten. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte, legten die Bestellungen nach vorläufigen Angaben gegenüber Mai preis- und saisonbereinigt um 4,5 Prozent zu. Dies war der stärkste Zuwachs seit zwei Jahren. Volkswirte hatten lediglich ein Plus um 0,9 Prozent erwartet. Im Mai waren die Bestellungen um 4,4 Prozent gestiegen.

"Der wiederholte und stärker werdende Anstieg der Auftragseingänge ist ein breiter werdender Hoffnungsschimmer", sagte Guttenberg. Er warnte aber auch vor übertriebener Euphorie. "Viele - vor allem auch kleine und mittlere Betriebe - müssen nach wie vor existenzgefährdende Auftragseinbrüche durchstehen", sagte Guttenberg.

Auch sei die Gefahr eines erneuten Rückschlags nicht gebannt. Bei steigender Arbeitslosigkeit könne der private Konsum unter die Räder kommen. Eine erste Schätzung für die Konjunktur im zweiten Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt nächste Woche.

Stärkste Impulse aus dem Ausland

Die stärksten Impulse bei den Industrieaufträgen kamen aus dem Ausland. Dort zog die Nachfrage nach deutschen Produkten um 8,3 Prozent an. Besonders in den Euro-Ländern - dem mit Abstand wichtigsten Markt für den Exportweltmeister - war "Made in Germany" wieder gefragt. Hier nahmen die Aufträge um 13,2 Prozent zu. Auf dem Heimatmarkt zog die Nachfrage dagegen nur um 0,2 Prozent an.

Gefragt waren vor allem Maschinen, Fahrzeuge und andere Investitionsgüter. Hier zogen die Bestellungen um insgesamt 5 Prozent an. Die Produzenten von Vorleistungsgütern wie Verpackungen und Chemiefasern meldeten ein Plus 4,6 Prozent.

Dagegen nahm die Nachfrage nach Konsumgütern um 0,5 Prozent ab. Die Zahl der Großaufträge sei insgesamt leicht unterdurchschnittlich geblieben. Dass die Industrie mit ihren zahlreichen Weltmarktführern trotz des Aufwärtstrends noch immer stark unter der globalen Rezession leidet, zeigt der Vergleich mit dem Vorjahresmonat. Hier liegt der Rückstand noch bei 25,3 Prozent.

In den Fabriken dürften die Schornsteine deshalb schon bald wieder stärker qualmen, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: "Mehr Aufträge heute bedeuten mehr Produktion morgen". Die Wirtschaft werde im Sommer wieder wachsen - zum ersten Mal nach über einem Jahr stetigen Schrumpfens. "Die Rezession ist zu Ende", sagte Krämer. Die Industrie litt bislang wie kein anderer Wirtschaftszweig unter dem Einbruch des Welthandels, der nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008 einsetzte.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ddp

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