Appell an Conti-Aufsichtsräte Leitende Angestellte fordern Votum für Konzernchef Neumann

Contis Vorstandschef Karl-Thomas Neumann erhält Unterstützung von den leitenden Angestellten des Konzerns. In einem Brief appellieren die Führungskräfte an die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat, Neumann im Amt zu halten. Außerdem fordern sie die Schaeffler-Vertreter im Aufsichtsrat zum Rücktritt auf. Conti-Großaktionär Schaeffler will Neumann absetzen. Am 12. August trifft sich das Kontrollgremium deshalb zu einer außerordentlichen Sitzung.

Hamburg - In dem Brief heißt es: "Wir, die Führungskräfte der Continental, haben Ihren Versuch zur Kenntnis genommen, Herrn Dr. Karl-Thomas Neumann in einer überfallartigen Aktion aus seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender zu drängen." Die leitenden Angestellten des Automobilzulieferers hielten dieses "Vorgehen im höchsten Maße für befremdlich und ungerechtfertigt. Es schadet uns allen."

Neumann habe nie gegen die Schaeffler-Gruppe agiert, sondern immer im Interesse beider Unternehmen gehandelt. Die Führungskräfte vertrauten Neumann "ohne Wenn und Aber". Schaeffler solle sich lieber darum kümmern, wie die beiden Unternehmen gestärkt aus der aktuellen Krise kommen könnten.

Die Schaeffler-Führung hatte am vergangenen Donnerstag versucht, Neumann abzulösen. Als möglichen Nachfolger präsentierte Schaeffler Elmar Degenhart. Degenhart leitet derzeit Schaefflers Autogeschäft. Die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat hatten sich geschlossen gegen Neumann gestellt, waren aber am Widerstand der Arbeitnehmer gescheitert. Bei der Sitzung wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit gegen Neumann erforderlich gewesen. Bei einer neuerlichen Abstimmung am 12. August würde allerdings eine einfache Mehrheit ausreichen. Diese wäre Schaeffler durch die Doppelstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Koerfer sicher, sollte nicht mindestens ein Kapitalvertreter seine Meinung ändern.

Die Führungskräfte schreiben, viele Kunden, Lieferanten und Kreditgeber von Conti hätten auf die beabsichtigte Abberufung Neumanns verärgert reagiert. Es drohe bereits der Verlust von Aufträgen: "Wir wissen, dass einige Kunden Überlegungen anstellen, zu unseren Wettbewerbern zu wechseln." Auch die Vorbereitung der geplanten Kapitalerhöhung könne "ohne die fortgesetzte Einbindung" Neumanns ins Leere laufen. Zudem erhöhten solche Aktionen die Verunsicherung in Contis Führungsmannschaft. Das Unternehmen laufe Gefahr, dass weitere Führungskräfte auf allen Ebenen das Unternehmen verließen.

Deshalb appellierten die leitenden Angestellten, die Kapitalvertreter sollten einen Weg finden, Neumann im Amt zu halten. Der Versuch der Abberufung sei "offensichtlich mit peinlichen handwerklichen Fehlern gestartet worden. Die Verursacher sollten die menschliche Größe und Verantwortung besitzen, den Weg für einen Neuanfang zu ebnen und ihre Funktionen im Aufsichtsrat zur Verfügung zu stellen."

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