Opel Verzögert, vertagt, verloren

Weil keine Entscheidung über die Zukunft von Opel fällt, geraten die Gewerkschafter des Autounternehmens in Rage. Sie argwöhnen, dass der Bundesregierung die Zögerlichkeit der Opel-Mutter General Motors gerade recht kommt, um Opel doch abwickeln zu können - in aller Stille nach der Bundestagswahl.

Rüsselsheim/Bochum - Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel hat die Bundesregierung wegen der sich hinziehenden Verhandlungen über die Zukunft des Autobauers kritisiert. "Ich habe die große Sorge, dass die Bundesregierung die Entscheidung auf die Zeit nach der Bundestagswahl vertagt", sagte Einenkel der "Rheinischen Post". Dann müsse die Regierung keine Rücksicht mehr auf die 25.000 Opel-Arbeitnehmer in Deutschland und die Beschäftigten der Zulieferer nehmen.

"Wir haben große Befürchtungen, dass die neue Bundesregierung sich für einen Investor mit einem für die Arbeitnehmer schlechteren Konzept oder gar für die Insolvenz entscheidet", fügte Einenkel hinzu. Er kritisierte insbesondere die Bundeskanzlerin (CDU): "Angela Merkel ist zu ruhig, sie lässt die Ministerpräsidenten im Kampf um Opel allein."

Die Hängepartie um den Opel-Verkauf zieht sich derzeit tatsächlich hin. Überraschend hat die bisherige Opel-Mutter General Motors  (GM) ihre Karten noch nicht aufgedeckt. Der GM-Verwaltungsrat gab in Detroit kein Votum ab, an wen Opel verkauft werden soll.

Nach Überzeugung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer spielt GM nun auf Zeit und will Opel notfalls in die Insolvenz abgleiten lassen. Dann könne GM sich ohne große Sozialleistungen der Opel-Standorte Antwerpen, Bochum, Kaiserslautern und Ellesmere Port "entledigen", schreibt der Experte für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. "Man gewinnt den Eindruck, GM spielt mit den Werken Monopoly", kritisiert Dudenhöffer. GM rechne damit, dass die Bundesländer im Fall eines Verkaufs an RHJI die staatlichen Bürgschaften kündigten. "Damit bliebe nur die Insolvenz. Dies ist mit Sicherheit ein Szenario, das bei GM genau geprüft wird", sagt Dudenhöffer.

Am Dienstag setzten Vertreter von Bund, Ländern, GM und die beiden Opel-Interessenten Magna  und RHJ International (RHJI) ihre Verhandlungen in Berlin fort. Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann sagte im Anschluss, es habe deutliche Fortschritte gegeben. GM, Magna und RHJI hätten erklärt, dass sie bis Ende der Woche die Voraussetzungen schaffen könnten, um zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Arbeitnehmer haben Widerstand für den Fall angekündigt, dass der belgische Finanzinvestor RHJ International den Zuschlag erhält. Die Bundesländer mit Opel-Standorten haben zudem für diesen Fall damit gedroht, ihre Zusage finanzieller Garantien zurückzunehmen. Wie Belegschaft und Länder bevorzugt auch die Bundesregierung bislang das Angebot des kanadischen Zulieferers Magna.

Sprachlos in Detroit

Die Gespräche in Berlin wurden am Dienstagnachmittag in zwei separaten Runden fortgeführt. Zunächst sprachen die von Bund und Ländern eingesetzte Opel-Task-Force und GM-Vertreter mit Magna, danach mit RHJI. Homann erklärte, die Task-Force habe unter anderem deutlich gemacht, dass sie einen höheren Eigenkapitalbeitrag erwarte, als Magna und RHJI bislang angeboten hätten.

Laut Homann ist nach wie vor geplant, einen Kaufvertrag in diesem Sommer zu unterschreiben und den Vertrag im Herbst abschließend unter Dach und Fach zu bringen. Während die Arbeitnehmervertreter sowie das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium eine baldige Entscheidung erwarten, fürchten Branchenexperten, dass GM auf Zeit spielt und Opel in die Insolvenz treiben will.

Der neue Verwaltungsrat von General Motors hat bei seiner ersten Sitzung Konzernchef Fritz Henderson volle Rückendeckung gegeben. "Das neu an den Start gegangene Unternehmen ist genau so ausgerichtet, wie es sein muss", erklärte das Gremium am Dienstag nach seiner zweitägigen Sitzung. Der Konzern konzentriere sich auf die Bedürfnisse der Kunden, seine Produktpalette "und die Entwicklung einer Siegermentalität".

Henderson hat angekündigt, die vielkritisierte Behäbigkeit des Traditionsunternehmens aufzubrechen und die Entscheidungsabläufe zu beschleunigen. Dies habe der Konzernchef auch bei einer Präsentation vor dem Verwaltungsrat bekräftigt, hieß es in Teilnehmerkreisen. Die Diskussionen über einen Käufer der ehemaligen Tochter Opel wurden in der Erklärung nicht erwähnt.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und reuters

Opel-Bürgschaft: Wie viel Bund und Länder schultern sollen

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.