Deutsche Bank/Sal.Oppenheim Ackermann will Privatbankier werden

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann greift nach dem traditionsreichen Geldhaus Sal.Oppenheim. Der deutsche Branchenführer strebt vorerst eine Minderheitsbeteiligung an der größten Privatbank Europas an. Die kann Ackermanns Geld offenbar gut gebrauchen: Sal.Oppenheim verkauft zeitgleich Geschäftsbereiche der eigenen Tochter BHF-Bank.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank will bei der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim eine Minderheitsbeteiligung erwerben und kann sich laut Finanzkreisen später eine Aufstockung bis zu einer Mehrheit vorstellen. Branchenkenner sprachen von einer Rettungsaktion für das Institut, das von der Finanzkrise erheblich betroffen ist. Im vergangenen Jahr musste die Bank erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg einen Verlust von 117 Millionen Euro ausweisen.

Die Deutsche Bank hatte erklärt, im Zuge der strategischen Partnerschaft sollten Kunden von Sal. Oppenheim Zugang zum globalen Netz der Deutschen Bank erhalten. Außerdem wolle die Deutsche Bank ihre Position im gehobenen Privatkundengeschäft vor allem in Deutschland stärken. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte unter anderem die Stärkung seines eigenen Privatkundengeschäfts in der Finanzkrise angekündigt, um ein Gegengewicht zum vergleichsweise starken Investmentbanking des hiesigen Branchenprimus zu bilden.

Sollte die Deutsche Bank bei Sal. Oppenheim zum Zug kommen, hätte sich die traditionsreiche Privatbank erneut Luft verschafft. Das rund 220 Jahre alte Geldhaus aus Köln, dessen Hauptsitz seit zwei Jahren in Luxemburg liegt, brauchte zuletzt selbst Geld, um durch die Finanzkrise zu kommen. Die Eigentümer gewährten dem Institut deshalb eine Kapitalspritze über 200 Millionen Euro.

Heute wurde zudem bekannt, dass die Sal.Oppenheim-Tochter BHF-Bank das eigene Geschäft mit der Verwahrung von Investmentfondsanteilen verkauft. Die Fondsgesellschaft Fidelity International (FIL) übernimmt die Frankfurter Fondsbank von der Sal.Oppenheim-Tochter. Zwischenzeitlich war in Frankfurter Finanzkreisen spekuliert worden, Sal.Oppenheim werde die gesamte Tochter BHF-Bank verkaufen. Dass die Privatbank dem großen Frankfurter Geldhaus die Due Diligence gewährt und ihre Bücher offenlegt, zeige, wie sehr sie mit dem Rücken zur Wand steht, sagte ein Analyst zu Dow Jones Newswires, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Zuletzt musste die größte Privatbank Europas auch Imageschäden verkraften. Die Banker gerieten wegen der lange Zeit lukrativen Geschäfte der Oppenheim-Esch-Fonds in die Schlagzeilen. Und: Beteiligungen brachten zuletzt wenig Glück. Egal ob IKB-Pleite, Arcandor-Insolvenz, IVG-Krise oder der Zusammenbruch von Lehman Brothers - Sal. Oppenheim gehörte zu denen, die Geld verloren.

Auch sonst lief zuletzt nicht alles rund. In den vergangenen Jahren hatte auch Oppenheim auf das lukrative, aber risikoreiche Geschäft mit komplexen Zertifikaten gesetzt. Als nach der Lehman-Pleite dieser Markt einbrach, zahlte auch Oppenheim die Zeche. Im Handelsergebnis wies das Bankhaus 2008 einen Verlust von fast 300 Millionen Euro aus.

Inzwischen hat die Bank Konsequenzen gezogen. Um weitere Belastungen der Bank durch die Wertverluste bei Arcandor und IVG in Zukunft auszuschließen, haben die Oppenheim-Gesellschafter die Beteiligungen zusammen mit den Private-Equity-Aktivitäten der Bank an eine von den Oppenheim-Eigentümern neu gegründete Gesellschaft verkauft. Das Derivategeschäft wurde zurückgefahren. Dank der Sanierungsbemühungen erwartet die Bank selbst im Jahr 2009 operativ schwarze Zahlen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dow jones und reuters