Sonntag, 15. Dezember 2019

Kaupthing Großaktionäre plünderten Bank vor Pleite

Neuer Skandal um die Kaupthing-Bank: Die wichtigsten Anteilseigner des isländischen Geldhauses haben sich selbst kurz vor deren Insolvenz zusätzliche milliardenschwere Kredite genehmigt - teils ohne ausreichende Sicherheiten. Jetzt ist in Island ein Debatte entbrannt, wie sich die Finanzelite des Landes auf Kosten der Steuerzahler so bereichern konnte.

Reykjavik - Islands früher größte Bank Kaupthing hat noch kurz vor ihrem Zusammenbruch riesige Kredite an seine Großaktionäre sowie deren Geschäftsfreunde ausgezahlt. Wie die Zeitung "Fréttabladid" in Reykjavik am Dienstag berichtete, erhielten allein die fünf wichtigsten Kreditnehmer aus dieser Gruppe weitere Darlehen in Höhe von umgerechnet fünf Milliarden Euro - und das teilweise ohne eigentlich ausreichende Sicherheiten.

Wieder in den Schlagzeilen: Anteilseigner der Kaupthing Bank sollen sich selbst Kredite bewilligt haben
Die zusätzliche Kreditsumme entspricht dem kompletten Staatshaushalt des Inselstaates mit seinen 320.000 Einwohnern.

Am Wochenende hatte der Internetdienst www.wikileaks.org eine streng vertrauliche interne Schuldnerliste veröffentlicht, die von Kaupthing selbst zwei Wochen vor dem Zusammenbruch der drei größten isländischen Banken Anfang Oktober zusammengestellt worden war.

Danach erhärtete sich der Verdacht, dass die Finanzelite des Landes dubiose Geschäfte mit sich selber machte und Aktienkurse durch kreditfinanzierte Käufe nach oben getrieben hat.

So standen die Investmentgesellschaft Exista und einige ihrer Geschäftspartner wenige Tage vor dem Crash bei Kaupthing mit mehr als 1,2 Milliarden Euro in der Kreide. Gleichzeitig hielt Exista auch mehr als 20 Prozent der Kaupthing-Aktien. Zum größten Aktionär hatte man anscheinend so viel Vertrauen, dass auf umfassende Sicherheiten für diesen Riesenkredit verzichtet wurde: Ein Kredit über insgesamt 600 Mio. Euro war als "unbesichert" bezeichnet, haben zunächst die isländische Zeitung "DV" und dann der TV-Sender RUV berichtet.

Kaupthing kam auch in Deutschland in die Schlagzeilen, weil hier 300.000 Kunden über ein halbes Jahr auf die Freigabe ihrer Guthaben über insgesamt 300 Millionen Euro warten mussten.

Islands drei führende und im Herbst 2009 zwangsverstaatlichten Banken haben dem Land Schulden über das Zehnfache eines Bruttonationalproduktes hinterlassen. Neben der auf jetzt knapp 10 Prozent gestiegenen Arbeitslosigkeit gehören auch die weitgehende Entwertung der Landeswertung Krone und zweistellige Zinsen zu den Folgen der von den Banken ausgelösten Krise auf Island. Die Regierung hat im Juli die Aufnahme der Inselrepublik in die EU beantragt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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