Conti/Schaeffler Autokonzerne beklagen Chaos

Volkswagen, Daimler, BMW - in der deutschen Automobilindustrie wächst offenbar der Ärger über das Gebaren der Familie Schaeffler bei dem Hannoveraner Automobilzulieferer Continental. Auch von der Politik hat sich Schaeffler mit seinem Machtkampf gegen Conti scharfe Kritik eingehandelt.

Hamburg/Herzogenaurach/München - Die fränkische Unternehmer-Familie habe als Mehrheitseigentümer bei dem Hannoveraner Autozulieferer Continental  ein Chaos angerichtet, zitiert das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL einen hochrangigen VW-Manager. Dies sei für die Branche gefährlich, denn Conti spiele eine zentrale Rolle bei der Entwicklung alternativer Antriebe.

Seit Schaeffler bei Continental einstieg, mussten Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg, Vorstandschef Manfred Wennemer und Finanzvorstand Alan Hippe ihre Posten räumen - in Kürze muss auch Wennemer-Nachfolger Karl-Thomas Neumann gehen.

"Diesen Aderlass kann das Unternehmen kaum verkraften", sagte der VW-Manager laut dem Vorabbericht vom Samstag. Ähnlich kritisch beurteilten Manager bei BMW und Daimler die Entwicklung. Sie fordern laut SPIEGEL, dass die Banken, bei denen Schaeffler und Conti in Milliardenhöhe verschuldet sind, ihren Einfluss geltend machen. Vor allem Martin Blessing, der Chef der Commerzbank, müsse verhindern, dass die Familie Schaeffler und das Conti-Management sich weiter heftige Schlammschlachten lieferten.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) drohte wegen des Dauerstreits unterdessen damit, Schaeffler Staatshilfen zu verweigern. "Bei Schaeffler/Conti sind die gemeinsamen Hausaufgaben noch immer nicht gemacht. Wenn man so arbeitet, muss man ganz leise sein, was staatliche Hilfen betrifft", sagte Zeil dem "Münchner Merkur" (Samstagausgabe). Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) kritisierte Zeils Äußerungen und rief ihn zur Mäßigung auf.

Endgültig entschieden ist der Machtkampf noch nicht. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe) erwägen mehrere Aufsichtsratsmitglieder auf Seiten der Anteilseigner, ihre Mandate niederzulegen. Das könne den Plan von Schaeffler durchkreuzen, Neumann abzulösen. Nach Angaben von Conti ist für den 12. August eine weitere Aufsichtsratssitzung einberufen, in der eine Entscheidung erwartet werde. Bei dieser zweiten Abstimmung nach der Marathonsitzung vom Donnerstag ist nur noch eine einfache Mehrheit erforderlich.

Der Conti-Chef selbst hatte von "ungewöhnlichen und sehr enttäuschenden Entwicklungen" gesprochen. Diese machten es ihm "sehr schwer", auf Dauer vertrauensvoll mit Schaeffler zusammenzuarbeiten. Der stellvertretende Conti-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE erklärte danach, das Vertrauensverhältnis zwischen Neumann und Schaeffler sei "stark in Mitleidenschaft" gezogen worden. Er gehe davon aus, dass Neumann innerhalb der nächsten 14 Tage abberufen werde. Er zeigte sich enttäuscht: "Ein guter Mann geht von Bord."

Als Nachfolger von Neumann werden in Aufsichtsratskreisen dem Schaeffler-Manager Elmar Degenhart die besten Chancen eingeräumt. Der Name sei bei der nächtlichen Sitzung bereits genannt worden. Der studierte Luft- und Raumfahrttechniker leitet bei Schaeffler die Autosparte.

Grünes Licht gab der Aufsichtsrat für die von Neumann vorgeschlagene Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Conti ist vom Übernahmekampf des vergangenen Jahres mit Schaeffler gebeutelt, hoch verschuldet und von der Autokrise schwer getroffen. Schaeffler hatte eine Kapitalerhöhung zunächst skeptisch gesehen, weil dies den Anteil des fränkischen Familienunternehmens an Conti verwässern könnte. Schaeffler hält knapp die Hälfte der Conti-Aktien, weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt. Conti und Schaeffler drückt eine Schuldenlast von jeweils mehr als zehn Milliarden Euro.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

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