Hapag-Großaktionär Kühne schlägt Fusion mit Rivalen vor

Hapag-Lloyd-Großaktionär Klaus-Michael Kühne hat zur Rettung der Hamburger Reederei eine Fusion mit einem Rivalen ins Spiel gebracht. Um das in Finanznöte geratene Unternehmen vor dem Kollaps zu bewahren, müsse über Kooperationen und Allianzen, "im Extremfall auch Fusionen" mit einem größeren Partner nachgedacht werden.

Hannover - "Daran hätte man seit Beginn des Jahres mit Hochdruck arbeiten müssen", sagte Kühne am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. "Ziel muss sein, dass Hapag-Lloyd nicht untergeht." Die Firmenzentrale solle in Hamburg bleiben und die Schiffe weiterhin unter deutscher Flagge fahren.

Der Partner könnte aus Europa oder aus Asien stammen, sagte Kühne. "Es gibt natürlich schon einige Denkanstöße, aber es gibt keine Verhandlungen. Ich stehe Gewehr bei Fuß, hier Verbindungen herzustellen." Mit dem Kauf von 57 Prozent der Anteile hatte das Konsortium Albert Ballin, dem Kühne angehört, im Herbst einen Verkauf der Reederei an den Konkurrenten Neptune Orient Lines (NOL)  aus Singapur verhindert. Damals hatte sich Kühne als Retter feiern lassen.

Mittlerweile steht der Logistikunternehmer in der Kritik, weil er sich nicht an einer vom ehemals alleinigen Hapag-Eigner Tui  und der Stadt Hamburg initiierten Rettungsaktion beteiligt hat. Die beiden und einige weitere Aktionäre springen der Reederei mit 330 Millionen Euro zur Seite und kauften Hapag einen Anteil an einem Containerterminal ab. Die 215 Millionen Euro von Tui - die Hannoveraner halten 43 Prozent an Hapag - gehen Kühne nicht weit genug.

"Nicht besonders schön"

Er forderte zusätzliche Zugeständnisse des Touristikkonzerns. Hapag-Lloyd sei ohne Reserven in die Krise geschlittert. Der Konzern könne daher anders als die Konkurrenz nicht von der Substanz leben. Die Zinsen, die Hapag-Lloyd für ein Gesellschafterdarlehen an Tui zahlen müsse, belasteten zu stark, sagte Kühne. "Das ist eine sehr ungesunde Struktur. Tui hat eine Hapag-Lloyd geliefert, die nicht besonders schön aussieht", sagte der Unternehmer, der indirekt 15 Prozent an Hapag-Lloyd hält, anfangs aber 24 Prozent übernehmen wollte.

Kühne bekräftigte, er sei grundsätzlich bereit, ebenfalls Geld zur Rettung von Hapag-Lloyd zur Verfügung zu stellen. Auf seine Mehrheitsbeteiligung am schweizerischen Logistikkonzern Kühne + Nagel  werde er dafür nicht verzichten. Deshalb brauche er etwas Zeit. "Ich habe schon 360 Millionen Euro eingesetzt, das war das Äußerste, was ich tun konnte."

Die Beteiligung an einer Kapitalspritze könnte dann nötig werden, wenn Tui Teile seiner Darlehen an Hapag in Eigenkapital umwandelt. Dann müsste auch Albert Ballin Geld in die Hand nehmen, um die Mehrheit zu behalten. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass Herr Kühne (...) ein gemeinschaftliches und solidarisches Vorgehen befürwortet", sagte ein Tui-Sprecher. Hapag-Lloyd wollte sich nicht äußern.

Der Hamburger Kaufmann griff das Management von Hapag-Lloyd an. Dieses habe zu lange nicht auf die Krise reagiert, schaffe zu wenig Transparenz und habe erst auf sein wiederholtes Drängen hin Berater von Roland Berger eingeschaltet. Kühne forderte ein Sanierungsprogramm, da die Schifffahrtskrise frühestens 2011 beendet sein werde. Bei Hapag-Lloyd ist seit Dezember ein Kostensenkungsprogramm in Kraft, das die Liquiditätsposition um 700 Millionen Dollar verbessern soll. "Alle Forderungen von Herrn Kühne sind entweder erfüllt oder in der Umsetzung", hieß es aus dem Umfeld der anderen Hapag-Eigner.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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