Karstadt Metro plant Kauf einzelner Filialen

Fusionsgespräche mit der Metro-Tochter Kaufhof hatte Karstadt zwar im Juni ausgesetzt. Doch bei einer Zerschlagung von Karstadt könnte Metro einfach einzelne Warenhäuser kaufen - und das hätte sogar kartellrechtliche Vorteile. Konzernchef Cordes soll den Plan laut Medienberichten bereits vorbereiten.

Düsseldorf - Deutschlands größter Handelskonzern Metro  bereitet sich auf die Übernahme von 60 Karstadt-Warenhäusern vor. "Alle Varianten werden geprüft. Es gibt aber noch keine Festlegung in welcher Hinsicht auch immer", sagte ein Metro-Sprecher am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Düsseldorf.

Mit dem Karstadt-Mutterkonzern Arcandor  gebe es derzeit keine Verhandlungen, nachdem die Gespräche vom Essener Handelskonzern bereits vor Wochen auf Eis gelegt worden seien. Deshalb handele es sich um rein theoretische Überlegungen, erläuterte der Sprecher der Metro AG.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" wäre eine Variante, dass Metro nach einer Karstadt-Pleite ausgewählte Häuser direkt vom Eigentümer Highstreet anmietet. Übernähme die Metro-Tochter Kaufhof weder Waren, Verträge noch Mitarbeiter von Karstadt, würde es sich um internes Wachstum handeln, berichtete "Focus" vorab mit Verweis auf Metro-Fachleute.

Der Düsseldorfer Konzern könnte in dem Fall auf eine Fusionsanmeldung beim Bundeskartellamt verzichten. Die Wettbewerbshüter können bei weitreichenden Zusammenschlüssen von Unternehmen Auflagen machen oder Fusionsvorhaben sogar untersagen.

Nach dem Rückzug des Arcandor-Sanierungsexperten Horst Piepenburg rechnet sich Metro nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gute Chancen für die angestrebte Übernahme von 60 der 90 Karstadt-Warenhäuser aus. Metro-Konzernchef Eckhard Cordes habe bereits mehrere Gespräche mit Vermietern, wichtigen Lieferanten sowie Arbeitnehmer-Vertretern geführt, schrieb die Zeitung vor einer Woche. Eine Entscheidung über die Zukunft von Arcandor falle voraussichtlich Mitte August in einer Gläubigerausschusssitzung.

Metro hatte sich vor der Pleite von Arcandor gegen Staatshilfen für das Essener Unternehmen ausgesprochen und bereits im Mai eine Vorstoß für einen Zusammenlegung von Karstadt- und Kaufhof-Filialen unternommen. Cordes mahnte mehrfach eine schnelle Entscheidung zu Karstadt an. Dies sei auch im Interesse der Karstadt-Mitarbeiter. Die Arcandor AG hatte nach ihrem Insolvenzantrag Mitte Juni die Gespräche mit Metro über Karstadt-Filialen ausgesetzt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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