Deutsche Bank "Ich lasse mich nicht erpressen"

Der Oberaufseher der Deutschen Bank, Clemens Börsig, gerät bei der Aufklärung der Spitzelaffäre zunehmend unter Druck. Bei der Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche droht nach Berichten mehrerer Zeitungen ein Eklat: Bankchef Ackermann mache Stimmung gegen Börsig.

Frankfurt am Main - Wenn Clemens Börsig sich schon genötigt sieht, ein Statement zu der Sache abzugeben, ist die Lage ernst. Er lasse sich nicht erpressen, ließ der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank  die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) wissen. "Ich sehe keinen Grund für einen Rücktritt." Nach Informationen der Zeitung und der "Welt am Sonntag" gibt es im Aufsichtsrat Streit darüber, ob der Oberaufseher noch zu halten ist. Der "FAS" zufolge macht Bankchef Josef Ackermann persönlich gegen Börsig Stimmung.

Bereits im April war es zwischen Ackermann und Börsig zu einem Machtkampf gekommen, als Börsig erfolglos versuchte, Ackermann als Vorstandschef abzulösen. Stattdessen wurde dann der Vertrag mit Ackermann überraschend verlängert. Schon damals erwarteten viele Beobachter den Rückzug des Aufsichtsratschefs.

Nun muss sich Börsig zudem für die Bespitzelung eines kritischen Aktionärs rechtfertigen. Einem Zwischenbericht der Deutschen Bank zufolge wurden Nachforschungen über den Aktionär Michael Bohndorf, der die Bank mit Klagen überzog, durch ein Gespräch zwischen Börsig und dem Leiter der Abteilung Investor Relations ausgelöst. Gleichzeitig entlastete der von einer Anwaltskanzlei erstellte Bericht alle aktiven Vorstandsmitglieder.

Der "FAS" zufolge lähmt die Auseinandersetzung zwischen Börsig und Ackermann die Deutsche Bank zusehends. "Die Stimmung ist angespannt", wird ein Aufsichtsrat zitiert.

Gute Quartalszahlen erwartet

Dabei hat die Führungsspitze mit Blick auf das Geschäft eigentlich derzeit vor allem Grund zur Freude. Am Dienstag wird das Geldinstitut die Zahlen für das zweite Quartal vorlegen - und Beobachter gehen von einem Gewinn von fast einer Milliarde Euro aus. Einziger Wehrmutstropfen: Auch bei der Deutschen Bank dürfte in erster Linie das vielgescholtene Investmentbanking das Geld abwerfen. Der rege Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen hatte die Deutsche Bank bereits zu Jahresbeginn ihr umstrittenes Renditeziel von 25 Prozent erreichen lassen, nachdem das Institut zuvor tief in die Verlustzone gerutscht war.

Ohne das hochspekulative Geschäft sähen die Bilanzen der Banken oft weiterhin tiefrot aus. Denn zu toxischen Wertpapieren kommen nach Monaten der Wirtschaftskrise immer mehr zahlungsunfähige Kreditnehmer hinzu, für die größere Risikoreserven zurückgelegt werden müssen - und deren Darlehen im schlimmsten Fall abgeschrieben werden müssen. Kreditausfälle hat auch die Deutsche Bank. Analysten schätzen, dass das Institut alleine für die zurückliegenden Monate rund 650 Millionen Euro einkalkulieren muss - viermal so viel wie noch vor einem Jahr. Doch das Investmentbanking füllt dieses Loch nach Einschätzung der Fachleute mehr als auf.

Die Situation bei den Banken sei derzeit paradox, stellt Thomas Hartmann-Wendels von der Universität Köln fest. "Wir haben zum einen Institute wie Goldman Sachs, die Milliardengewinne machen", sagt der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht. "Wir haben aber auch Banken, die eben nach wie vor enorme Verluste machen." Das hänge damit zusammen, wie die Banken aufgestellt seien. "Im Moment ist das Investmentbanking wieder der Gewinnbringer." Ob das dauerhaft trage, "muss man abwarten. Das Blatt kann sich da auch sehr schnell wieder wenden."

Bankenaufseher sind ob des Wiedererstarkens des Investmentbankings alarmiert. "Ich rate zur Vorsicht", sagte der Chef des deutschen Bankenrettungsfonds Soffin, Hannes Rehm, am Freitag in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Gewinne kämen zum Teil aus denselben Geschäften und Produkten, "die uns in diese Krise gebracht haben". Bei den US-Banken kommt hinzu, dass die Regierung die Regeln für die Bilanzierung gelockert hat. Ziel ist es, die Banken zu entlasten, damit diese wieder mehr Kredite an Unternehmen vergeben.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa