Dienstag, 20. August 2019

Ifo-Index Rezession endet im Sommer

Nach mehr als einem Jahr teils tiefer Rezession steuert die deutsche Wirtschaft auf die Konjunkturwende zu. Im Juli hat sich die Stimmung in den hiesigen Chefetagen den vierten Monat in Folge aufgehellt und ist so gut wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Die Daten sorgten europaweit für steigende Aktienkurse.

München - Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich den vierten Monat in Folge aufgehellt und signalisiert damit eine Konjunkturwende. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli um 1,4 auf 87,3 Punkte, wie das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Freitag mitteilte. Das ist der höchste Wert seit vergangenem Oktober. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 86,5 Zähler gerechnet.

Deutsche Wirtschaft: Stimmung hellt sich auf
Die 7000 befragten Unternehmen bewerteten sowohl ihre Geschäftslage als auch die Aussichten für das nächste halbe Jahr besser. "Es scheint, dass die Wirtschaft wieder Tritt fasst", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Der Deutsche Aktienindex (Dax) baute nach den Daten seine Gewinne aus und stieg zeitweise über 5300 Punkte. Auch der Europa-Index EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen erreichte zwischenzeitlich ein Jahreshoch.

Die Forscher gehen davon aus, dass Deutschland die Rezession im Sommer hinter sich lassen wird. "Wir werden im dritten Quartal wieder eine positive Wachstumsrate haben", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger der Nachrichtenagentur Reuters. Er sprach von einer Trendwende, weil diesmal nicht nur die Erwartungen der Firmen anzogen, sondern sich auch die Einschätzung der aktuellen Lage verbesserte. Die weltweiten Konjunkturpakete wirkten, so Abberger. Das zeige sich an den deutlich verbesserten Exporterwartungen der deutschen Firmen.

Auch Analysten sind optimistisch, dass die Konjunktur ihre Talfahrt beendet hat. "Die größte Abschwungdynamik der deutschen Wirtschaft liegt wohl hinter uns", sagte Helaba-Experte Ulrich Wortberg. Die Industrie hatte zuletzt drei Monate in Folge steigende Aufträge verbucht. Produktion und Exporte legten ebenfalls zu.

"Der Aufschwung hat begonnen. Klarer können die Zeichen für eine Konjunkturerholung nicht sein", konstatiert Allianz-Ökonom Rolf Schneider. Sein Haus geht davon aus, dass die Wirtschaft nächstes Jahr bereits wieder um 2,7 Prozent wachsen und damit einen Großteil des diesjährigen Konjunktureinbruchs wieder wettmachen wird. An der Börse sind zyklische Aktien deshalb gefragt wie seit Langem nicht mehr. Sie haben in der ersten Jahreshälfte so stark an Wert hinzugewonnen, wie in den zehn Jahren zuvor in dem entsprechenden Vergleichszeitraum nicht.

Obwohl sich die Perspektiven der deutschen Wirtschaft deutlich aufgehellt haben, warnte das Ifo-Institut vor zuviel Euphorie. Die Wirtschaft werde nicht automatisch in einem Aufschwung münden, sagte Ifo-Experte Abberger. Die Lage sei noch immer ernst. Es gebe weiter große Risiken für die Konjunktur - vor allem durch vermutlich steigende Arbeitslosenzahlen und die restriktive Kreditvergabe der Banken. Die Firmen hätten nach dem Konjunktureinbruch zwar wieder Boden unter den Füßen. Fraglich sei aber noch, wie nachhaltig die Erholung sei.

Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt mit 3,8 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Einführung dieser Statistik 1970. Für das Frühjahrsquartal sagen von Reuters befragte Experten im Schnitt ein Minus von 0,4 Prozent voraus.

Die Industrie hatte zuletzt drei Monate in Folge steigende Aufträge verbucht. Die Produktion legte zu und auch die Exporteure erholen sich langsam von den schwersten Einbrüchen der Nachkriegszeit. "Besonders die Industrie profitiert von der wieder anziehenden Weltwirtschaft und baut ihre in der Krise geleerten Lager wieder auf", sagte der Chefvolkswirt des Instituts Markit, Chris Williamson.

Die jüngste Umfrage der Londoner Marktforscher unter Einkaufsmanagern zeigt, dass ein Wachstum für Industrie und Dienstleister nach langer Durststrecke wieder in greifbare Nähe gerückt ist. In der Euro-Zone zudem das Barometer für die Exportaufträge auf den höchsten Stand seit Juni 2008 geklettert: Das Auslandsgeschäft schrumpft zwar noch leicht, doch ist auch hier die Wachstumsschwelle fast erreicht.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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