Krankenkassen Bis zu elf Milliarden Euro minus drohen

Führende Manager großer gesetzlicher Krankenkassen erwarten für 2010 ein riesiges Finanzloch ihrer Kassen. In weiten Bereichen müssten deshalb die Kassenbeiträge angehoben werden, betroffen sind etwa 50 Millionen Beitragszahler. Doch auch die privat versicherten Bundesbürger werden wohl nicht ungeschoren davonkommen.

Berlin - Auf Deutschlands Bürger scheint die nächste Krise der Krankenversicherung zuzurollen: Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und fehlender Tarifsteigerungen werde "die Beitragseinnahmenentwicklung deutlich negativ sein im nächsten Jahr", sagte beispielsweise Christopher Hermann voraus, Chef der AOK Baden-Württemberg. Dieses Jahr seien im Bundeshaushalt bis zu 3,9 Milliarden Euro für die Deckung des Defizits im Gesundheitsfonds eingeplant.

"Dass sich das verdoppeln kann oder noch mehr wird, halte ich nicht für ausgeschlossen. Auch, wenn es für eine Prognose noch früh ist", sagte der Kassenmanager.

Nach Hermanns Meinung steigt der Druck auf die öffentlichen haushalte nach der Bundestagswahl enorm, das eigene Budget in den Griff zu bekommen. Und dann werde auch die Krankenversicherung einen Sanierungsbeitrag leisten müssen, sagte er. Zusatzbeiträge würden dann "ein Problem, was die ganze gesetzliche Krankenversicherung erfasst". Auch DAK-Chef Herbert Rebscher sprach in der "Rheinischen Post" von flächendeckenden Zusatzbeiträgen. Diese müssen die Krankenkassen erheben, wenn sie mit der Zuweisung aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen.

Rebscher sagte, schon in diesem Jahr hätten die Kassen drei Milliarden Euro weniger, als sie brauchten. "Da sich die Situation am Arbeitsmarkt im kommenden Jahr deutlich zuspitzt, könnte das System schon 2010 mit bis zu elf Milliarden Euro unterfinanziert sein", sagte Rebscher.

Gesundheits-Staatssekretärin Marion Caspers-Merk räumte zwar ein, dass sich die Krise auch auf die Sozialversicherungen auswirken werde. "Allerdings erwarten wir von gut bezahlten Kassenmanagern, dass sie ihren Job machen und ordentlich mit den Beitragsgeldern wirtschaften", erklärte sie. "Die ewigen Kassandra-Rufe von Kassenchefs wie Herrn Rebscher bringen gar nichts." Die Defizite im Gesundheitsfonds deckt der Bund vorerst mit Darlehen. Letztlich müssen die Fehlbeträge aber von den Kassen und ihren Mitgliedern beglichen werden.

Der Linken-Gesundheitsexperte Frank Spieth betonte, die Erhebung von Zusatzbeiträgen sei politisch gewollt. Sie kämen den Arbeitgebern zugute, weil Arbeitnehmer sie allein zahlen müssen. "Der Gesundheitsfonds läuft gewollt aus dem Ruder", erklärte Spieth.

Unter finanziellem Druck steht auch die private Krankenversicherung (PKV), wie PKV-Direktor Volker Leienbach im "Tagesspiegel" einräumte: "Wir haben ein Kostenproblem, keine Frage." Während die gesetzlichen Kassen Kostendämpfung betrieben, hätten die Privaten "nur wenig Mittel, um auf Qualität, Mengen und Preise Einfluss nehmen zu können".

Er forderte mehr Freiheit beim Aushandeln von Arzthonoraren. "Wir wollen die Möglichkeit, über Qualität zu reden, über Mengen und auch über die Bezahlung", sagte Leienbach. Wichtig sei, "Tendenzen zu willkürlicher Mengenausweitung, sprich Verschwendung" gegenzusteuern.

manager-magazin.de mit Material von ap

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