Hertie-Beschäftigte Kein Geld aus dem Sozialplan

Schlechte Nachrichten für die Angestellten der insolventen Kaufhauskette Hertie: Sie werden unter Umständen keinen Euro Abfindung erhalten. Der geschlossene Sozialplan sieht nur Regeln für Arbeitszeugnisse und den angestrebten Freistellungstermin der Beschäftigten vor. Der Betriebsrat des Warenhauses ist nicht einmal überrascht - aus guten Gründen.

Essen - Für die 2600 Beschäftigten der insolventen Warenhauskette Hertie wird es kein Geld aus dem Sozialplan geben. "Nach der Freistellung bekommen die Leute gar nichts", sagte der Hertie-Betriebsratsvorsitzende Bernd Horn am Dienstag. Ihre Kündigungen sollen die Hertie-Mitarbeiter bis Mitte dieser Woche erhalten. Mit ersten unbezahlten Freistellungen sei bereits in zwei Wochen zu rechnen.

Ob sie anschließend doch noch Abfindungen oder wenigstens einen Teil der Gehaltsfortzahlung bis zum gesetzlichen Kündigungstermin erhalten, wollte Hertie-Insolvenzverwalter Biner Bähr am Dienstag ebenfalls nicht garantieren: "Ich kann nicht zusagen, dass da was kommt", sagte Bähr. Die Entscheidung darüber werde etwa in einem Jahr nach dem kompletten Abschluss des Verfahrens fallen.

Der Plan für die bevorstehende Schließung für die 54 verbliebenen Hertie-Warenhäuser werde in den kommenden Tagen vorgelegt. Der Sprecher des Hertie-Insolvenzverwalters bestätigte die Pläne.

"Für die Mitarbeiter kommt das nicht überraschend", sagte Horn. Mangels Masse seien die Beschäftigten in dem Insolvenzverfahren leer ausgegangen. Das Ende der regulären Kündigungsfrist werde von den Hertie-Beschäftigten niemand mehr erreichen. Der getroffene Interessenausgleich sehe lediglich einige Regelungen etwa zu den Arbeitszeugnissen sowie dem frühesten Freistellungstermin vor. Unternehmen und beschäftigte hatten sich auf den 10. August 2009 geeinigt.

Die Hertie-Gläubigerversammlung hatte vor zwei Monaten das endgültige Aus für die Warenhauskette beschlossen. Insolvenzverwalter Biner Bähr hatte den Antrag damit begründet, dass keine Chance mehr auf eine Einigung mit den Hertie-Eigentümern, der britisch- niederländischen Immobiliengesellschaft MABV, bestehe. Zuvor hatte eine Investorengruppe vor dem Hintergrund fehlender langfristiger Mietverträge ihr Angebot zurückgezogen.

Im vergangenen Monat versuchten Stadtoberhäupter vieler deutscher Städte und gemeinden noch einen Rettungsversuch für die Warenhauskette, weil sie die Verödung ihrer Innenstädte fürchten, nachdem die Hertie-Kaufhäuser geschlossen werden. Sie sind nicht selten eine der wichtigen Einkaufsmöglichkeiten speziell in den Einkaufsstraßen kleinerer hiesiger Kommunen. Der Versuch unter Moderierung der Deutschen Bank, die einen wichtigen Kredit für Hertie als Agent arrangiert hatte, scheiterte allerdings auch.

Die jetzigen Hertie-Eigentümer Dawnay Day kündigten an, für die von der Schließung betroffenen Hertie-Häuser neue Interessenten finden zu wollen. Die Briten hatten die damals noch unter dem Namen "Karstadt Kompakt" firmierende Warenhauskette 2005 von den damaligen KarstadtQuelle übernommen, die heute unter dem Namen Arcandor firmiert - und selbst insolvent ist.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2007/2008 (31.8.) hatte Hertie bei einem Umsatz von 441,3 Millionen Euro einen Verlust von 155,3 Millionen Euro gemacht.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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