Bieterwettstreit Dreikampf um Opel

Der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna, der Finanzinvestor RHJ International und der chinesische Hersteller BAIC haben General Motors unterschriftsreife Vertragsentwürfe für den hiesigen Hersteller Opel vorgelegt. Jetzt hat neben dem US-Unternehmen die Bundesregierung das Wort - und auch die deutschen Bundesländer entscheiden mit.

Frankfurt am Main - Der Übernahmekampf um Opel geht in die entscheidende Runde. Zum Fristende am Montag hat die Konzernmutter General Motors (GM) drei endgültige Angebote erhalten, wie die GM-Europazentrale in Zürich mitteilte.

Sie stammen von dem kanadisch-österreichische Zulieferer Magna, dem Finanzinvestor RHJ International mit Sitz in Belgien und dem chinesischen Autohersteller BAIC. Das teilte GM Europe in Zürich mit. Magna und RHJI gelten als Favoriten, BAIC waren zuletzt keine Chancen mehr eingeräumt worden.

GM erklärte, die Angebote würden nun analysiert und verglichen. Dann würden die Bundesregierung sowie die anderen betroffenen Regierungen und die Europäische Kommission in den Entscheidungsprozess einbezogen. In Berlin sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, es werde sich voraussichtlich eine Opel-Arbeitsgruppe von Bund und Ländern mit der Angelegenheit weiter befassen. "Wir werden dann in den nächsten Tagen die Angebote bewerten und dann gemeinsam über das weitere Vorgehen entscheiden."

Der thüringische Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz lehnte das RHJ-Konzept am Montag klar ab. Dass der Finanzinvestor das Opel-Werk in Eisenach für zwei Jahre stilllegen wolle, sei aus Sicht der Thüringer Landesregierung "völlig indiskutabel", sagte Reinholz im "Deutschlandradio Kultur". In Eisenach stehe das effizienteste aller Opel-Werke mit einer hoch motivierten Mannschaft, sagte der CDU-Politiker. Ein solches Werk für zwei Jahre stillzulegen, sei faktisch das Aus.

Nach den in den vergangenen Wochen vorgelegten Konzepten will BAIC nun offenbar 7584 Arbeitsplätzen in Europa abbauen. Magna plant den Abbau von 11600 und RHJ die Streichung von europaweit 9900 Stellen. Im Fall einer Übernahme plant BAIC mit staatlichen Kreditgarantien in Höhe von 2,64 Milliarden Euro, Magna mit 4,5 und RHJ mit 3,8 Milliarden Euro.

Verlust von mehr als 1,8 Milliarden Euro

Unterdessen widersprach Opel einem Bericht der "Financial Times Deutschland". Das Blatt hatte berichtet, der angeschlagene Autobauer Opel habe seit dem Jahr 2003 nur Verluste gemacht. Das Defizit aus den Jahren 2003 bis 2007 summiere sich auf 1,861 Milliarden Euro. Die Zeitung bezog sich in ihrem Bericht auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag.

"Die FTD hat Äpfel mit Birnen verglichen", sagte dazu ein Opel-Sprecher. Die Zahlen der alten Adam Opel GmbH umfassten nicht die europäischen Vertriebsgesellschaften und andere wichtige Bereiche des heutigen Unternehmens:

"Europaweit hat GM 2006, 2007 und im ersten Halbjahr 2008 Gewinne erzielt." Für diese Gewinne seien die Marken Opel und Vauxhall, die rund 95 Prozent des Geschäftsvolumens von GM Europa ausgemacht hätten, ein maßgeblicher Faktor.

Der deutsche Hersteller litt in den vergangenen Jahren darunter, dass die Einnahmen aus dem Verkauf von Opel-Fahrzeugen außerhalb Deutschlands bei GM und nicht bei Opel bilanziert wurden. Dagegen wurden Kosten vornehmlich bei Opel abgerechnet.

Wie der Firmensprecher sagte, firmieren seit dem 1. Juni unter dem Dach von Opel alle europäischen GM-Gesellschaften außer den Aktivitäten von Saab und Chevrolet. Dies schließe die ausländischen Vertriebsgesellschaften von Opel und Vauxhall ein.

manager-magazin.de mit Material von ap, dow jones und dpa

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