Konjunktur Lichtstreif am Horizont

Nach einer Reihe von Hoffnungssignalen sieht die Bundesregierung offenbar ein Ende des freien Falls der deutschen Wirtschaft. Für Anfang 2010 halten einige Experten sogar ein Ende der Rezession für möglich. Und auch die Bundesbank schöpft wieder Hoffnung.

Berlin - Die Entwicklung der vorliegenden Wirtschaftsdaten stützt die Einschätzung, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal günstiger ausgefallen sein könnte als bisher geschätzt", teilte das Bundesfinanzministerium am Montag in seinem Monatsbericht mit.

Eine Reihe von Indikatoren deute darauf hin, dass die konjunkturelle Talfahrt in einigen Wirtschaftsbereichen bereits zum Stillstand gekommen sein könnte.

Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung um 3,8 Prozent eingebrochen - das war der stärkste Rückgang seit Einführung der Statistik 1970. Zuletzt hatte das Bundeswirtschaftsministerium erklärt, vieles spreche für eine Stabilisierung im zweiten Quartal. Zunächst war die Bundesregierung in internen Berechnungen davon ausgegangen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Frühjahr um rund ein Prozent geschrumpft sein könnte.

Jüngst hieß es jedoch in Regierungskreisen, es könne eine schwarze Null geben.Aus der Wirtschaft waren zuletzt Signale für eine Stabilisierung der Konjunktur gekommen: Industrieaufträge, Exporte und Produktion legten jeweils zu.

Das Bundesfinanzministerium geht davon aus, dass sich die Neuaufträge der vergangenen zwei Monate nun in der Produktion bemerkbar machen. "Dies deutet zugleich darauf hin, dass der Lagerabbau in der Industrie abgeschlossen sein dürfte", heißt es in dem Monatsbericht.

Mit gewisser Sorge blickt das Ministerium allerdings auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die starke Ausweitung der Kurzarbeit habe die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bisher noch abgemildert. "Im Fall einer zögerlichen Erholung der Gesamtwirtschaft ist dennoch im weiteren Jahresverlauf mit einer Zunahme der Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt zu rechnen", warnte das Ministerium.

Bundesbank: Abschwung verlangsamt sich

Auch die Bundesbank sieht Zeichen für eine Erholung: Von April bis Juni sei die Wirtschaftsleistung verglichen mit dem Vorquartal "nur noch leicht zurückgegangen", hieß es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Abwrackprämie, niedrige Inflation und Steuerentlastungen kurbelten demnach den privaten Konsum an. Auch Außenhandel und Bauausgaben hätten die Konjunktur gestützt. Dagegen investierten die Unternehmen wegen der schlechten Auftragslage erneut weniger, schrieb die Bundesbank.

Die Bremseffekte durch den Außenhandel hätten spürbar nachgelassen und der massive, weltweite Vertrauensschock verliere allmählich an Wirkung, heißt es in dem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht für Juli. Insgesamt dürfte die gesamtwirtschaftliche Erzeugung im Frühjahr gegenüber dem Vorquartal nur noch leicht zurückgegangen sein, heißt es in der Analyse.

Nach Einschätzung der Bundesbank hat das Exportgeschäft im zweiten Quartal zwar nochmals einen Dämpfer erhalten. Trotzdem könnte der Außenhandel erstmals seit Zuspitzung der Finanzkrise wieder einen positiven Beitrag zur Konjunktur geleistet haben, da die Importe noch stärker eingeschränkt worden seien. Bauinvestitionen dürften aufgrund von Witterungseffekten und staatlichen Infrastrukturprojekten ins Plus gekommen sein, obwohl die Mittel aus den Konjunkturprogrammen bisher erst zu einem kleineren Teil angekommen seien. Gewerbliche Investitionen seien aber weiterhin rückläufig.

Keine Entwarnung gibt die Bundesbank für den Arbeitsmarkt, der der Konjunkturentwicklung in der Regel erst mit zeitlicher Verzögerung folgt. "Das niedrige Produktionsniveau belastet in zunehmendem Maß den Arbeitsmarkt", schrieb die Notenbank. Im Juni waren in Deutschland nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 3,4 Millionen Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Quote von 8,1 Prozent, im Vorjahresmonat lag der Wert noch bei 7,5 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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