VW Porsche-Deal könnte am Fiskus scheitern

Eine Übernahme des Sportwagenherstellers Porsche durch den Autokonzern Volkswagen könnte offenbar noch an milliardenschweren Steuerforderungen scheitern. Sollten sich die Zahlungen nicht vermeiden lassen, soll der Deal angeblich platzen. Mittlerweile deutet sich an, dass eine Entscheidung sich noch eine ganze Weile hinziehen könnte.

Berlin - Bei dem Geschäft drohten mögliche Zahlungen in Höhe von bis zu drei Milliarden Euro, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Montagausgabe. Es werde nach Wegen gesucht, die Zahlungen an den Fiskus zu vermeiden, zitierte die Zeitung aus Aufsichtsratskreisen von Porsche . Gelinge dies nicht, "ist der Deal hinfällig". Ein entsprechender Vorbehalt ist dem Bericht nach auch in einer Grundlagenvereinbarung enthalten, die am Donnerstag von den Aufsichtsräten von Porsche und VW  verabschiedet werden solle.

Ein Porsche-Sprecher bestätigte gegenüber der Zeitung, dass bei der Übernahme Ertragsteuern in Milliardenhöhe anfallen könnten. "Es gibt diese Problematik", sagte er. Nach Angaben aus Porsche-Kreisen hat dem Bericht nach VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch einen Weg aufgezeigt, wie sich eine hohe Steuerbelastung vermeiden lasse. Dazu solle die Gründung neuer Gesellschaften notwendig sein. "Zu Inhalten unseres Konzepts äußern wir uns nicht", zitierte die Zeitung einen VW-Sprecher.

Porsche- Betriebsratschef Uwe Hück lehnte ein Entgegenkommen der Finanzbehörden in der Zeitung strikt ab. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) dürfe keine Steuergeschenke machen.

Die voraussichtliche Übernahme von Porsche durch VW spaltet indes die CDU. Baden-Württembergs CDU-Generalsekretär Thomas Strobl warf Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) eine feindselige Haltung gegenüber dem Stuttgarter Sportwagenhersteller vor. "Wir sind nicht erfreut, wenn ein Ministerpräsident, der über den Länderfinanzausgleich auch von den Steuerzahlungen unserer Mittelständler profitiert, gegen eben diese Mittelständler Politik macht", sagte Strobl der "Berliner Zeitung" (Montag).

Wulff verlangte indes, bis Donnerstag endgültige Klarheit über die Zukunft von VW und Porsche zu schaffen. Beide Seiten müssten "den Knoten durchschlagen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag). Bei einem Scheitern würden beide Konzerne getrennte Wege gehen: "Dann macht jeder sein eigenes Ding." Bei getrennten Sitzungen der Kontrollgremien am Donnerstaf in Stuttgart werden die entscheidenden Weichenstellungen für einen integrierten Autokonzern erwartet.

Es deutete sich aber an, dass sich eine Entscheidung über den erwarteten Einstieg noch hinziehen könnte. Wie verschiedene Medien berichteten, soll das Thema auf der Porsche-Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag nicht abschließend verhandelt werden. Eine Entscheidung könnte dann aber auf einer weiteren Sitzung des Kontrollgremiums Ende Juli fallen.

SPD-Vizefraktionschef Joachim Poß kritisierte die mögliche Abfindung in Millionenhöhe für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, falls dieser im Zuge der Transaktion seinen Hut nehmen muss. "Der Mann hat objektiv versagt und Milliarden in Sand gesetzt", sagte Poß der Zeitung. "Diese Gierlappen sind dabei, die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft zu zerstören." CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer betonte, er erwarte, "dass die Entscheidungsträger die gesellschaftlich möglicherweise explosive Wirkung außer Rand und Band geratener Abfindungen bedenken".

manager-magazin.de mit Material von reuters und afp

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