Rezession Experten fordern längeres Arbeitslosengeld

Führende Wirtschaftsexperten haben sich für einen längeren Bezug des Arbeitslosengeldes I ausgesprochen. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und der Vorsitzende des Sachverständigenrates der Bundesregierung, Wolfgang Franz, wollen damit der befürchteten Entlassungswelle begegnen.

Berlin - Der Würzburger Ökonom Peter Bofinger plädierte am Wochenende dafür, wegen der Krise die maximale Bezugsdauer um ein halbes Jahr auszudehnen. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates der Bundesregierung, Wolfgang Franz, sprach von einigen Monaten Verlängerung. Arbeitslosengeld I wird derzeit höchstens zwölf Monate lang gezahlt, für ältere Arbeitslose maximal 24 Monate.

Bofinger sagte der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe): "In Phasen, in denen es am Arbeitsmarkt schlecht läuft, sollte man das Arbeitslosengeld I ausdehnen. Ich schlage vor, die Bezugsdauer um ein halbes Jahr zu verlängern." Damit solle nach einem Jobverlust der rasche Absturz in Hartz IV verhindert werden. Die Verlängerung sollte zunächst zeitlich befristet für ein halbes Jahr gelten und könnte gegebenenfalls verlängert werden.

Franz sprach sich in der "Wirtschaftswoche" für eine Verlängerung des Arbeitslosengelds in der Rezession aus. Im Aufschwung aber "müsste diese Lockerung wieder zurückgenommen werden, und zwar auf ein niedrigeres Niveau als jetzt". Laut Franz braucht der Arbeitsmarkt "atmende Systeme, um passgenau auf die jeweilige konjunkturelle Lage reagieren zu können".

Der Arbeitsmarktexperte prognostizierte: "Wir werden um die Jahreswende die Vier-Millionen-Marke reißen, daran wird auch die Kurzarbeit nichts ändern." Er hoffe aber, "dass wir im nächsten Jahr unter der Fünf-Millionen-Marke bleiben. Ich rechne mit einem Jahresdurchschnitt von 4,6 Millionen Arbeitslosen."

Eindringlich warnte Franz angesichts der immensen Kosten für steigende Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit davor, jetzt in der Krise den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung wieder zu erhöhen: "Das wäre konjunkturpolitisches Gift." Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung wurde am 1. Januar 2009 von 3,3 auf 2,8 Prozent reduziert.

manager-magazin.de mit Material von ap