Porsche-Übernahme Betriebsrat kündigt Widerstand an

Nächste Runde im Machtkampf zwischen Porsche und VW: Porsche-Betriebsratchef Uwe Hück hat mit massivem Widerstand gegen eine Übernahme des Sportwagenherstellers durch VW gedroht. Offenbar planen die Porsche-Mitarbeiter sogar Werksbesetzungen. Hück bestritt zudem, dass in der kommenden Woche über die Porsche-Zukunft entschieden wird.

Frankfurt am Main - Der Porsche-Betriebsrat sieht bei der sich abzeichnenden Eingliederung des Sportwagenbauers in den Volkswagen-Konzern  Tausende Arbeitsplätze in Gefahr. "Eine Übernahme durch VW würde die 11.000 Arbeitsplätze bei Porsche  gefährden und einzig dazu dienen, den Traum von Herrn Piëch zu erfüllen. Mit Polo-Teilen können Sie keinen Porsche bauen", sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück der "Bild am Sonntag".

Hück, zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Porsche, kündigte massiven Widerstand der Belegschaft gegen die Pläne von VW-Patriarch Ferdinand Piëch an, den Sportwagenbauer als zehnte Marke in den Wolfsburger Konzern zu integrieren. "Die Porsche-Mitarbeiter haben in den vergangenen 14 Jahren galaktische Gewinne erzielt und werden jetzt auch galaktisch um die Eigenständigkeit von Porsche kämpfen", sagte Hück, der als Verbündeter von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gilt. "Die Seelen der Porsche-Mitarbeiter kann VW niemals kaufen."

Zudem bestritt Hück, dass am Donnerstag im Aufsichtsrat über den Verkauf des Sportwagenherstellers an Volkswagen entschieden wird. Der Aufsichtsrat werde an dem Tag nur informiert, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollgremiums am Sonntag im SWR. "Wir haben noch nicht einmal die Unterlagen, also können wir noch gar nichts beschließen und werden auch nichts beschließen. Das ist eine gezielte Falschmeldung." Laut Berichten sind für Donnerstag sind Aufsichtsratssitzungen der Porsche-Holding und von Volkswagen geplant.

Hück forderte im SWR außerdem den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger dazu auf, sich in den Konflikt einzuschalten und sich für die Arbeitsplätze in Baden-Württemberg einzusetzen.

Laut übereinstimmenden Informationen von "Bild am Sonntag" und "Focus" planen die Mitarbeiter Werksbesetzungen in Zuffenhausen und Weissach. Niemand soll die Fabrikgelände betreten oder verlassen können. Sogar unbefristete Streiks seien vorgesehen. Die Produktion solle so lange ruhen, bis die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch auf die Forderungen der Belegschaft eingingen.

Nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins "DER SPIEGEL" soll die Porsche AG in zwei Schritten an VW verkauft werden. Die Wolfsburger übernähmen zuerst 49,9 Prozent und zu einem späteren Zeitpunkt die übrigen Anteile. Die Porsche Automobil Holding dürfte demnach dafür rund acht Milliarden Euro bekommen und könnte somit ihre Schulden weitgehend tilgen.

Möglicherweise übernehme VW sogar noch das Autohandelshaus der Familien in Salzburg, was ihnen über drei Milliarden Euro einbringen dürfte, berichtete das Magazin weiter. Im Gegenzug hielten die Familien dann über 50 Prozent an einem vereinten VW-Porsche-Konzern. Niedersachsen solle weiterhin mit 20 Prozent beteiligt sein, Katar künftig mit einem Paket zwischen 14,9 und 19,9 Prozent.

Die Entscheidung geht offenbar einher mit dem Abgang von Noch-Porsche-Chef Wiedeking. Nach Informationen von manager magazin und des "SPIEGEL"-Magazins wird er durch den bisherigen Produktionsvorstand Michael Macht ersetzt.

Der von den Familien Piech und Porsche kontrollierte Sportwagenbauer, der 51 Prozent an Volkswagen hält, hat sich mit der Übernahme des deutlich größeren Wolfsburger Konzerns verhoben und sucht nun nach Wegen, um die milliardenschwere Schuldenlast zu drücken. Dazu umwirbt Porsche unter Führung von Vorstandschef Wendelin Wiedeking das Emirat Katar, um mit geringeren Verbindlichkeiten in Fusionsverhandlungen mit VW einzutreten. VW mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch an der Spitze will hingegen zuvor einen Teil des Porsche-Sportwagengeschäfts übernehmen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und afp

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