Opel-Investor Guttenberg warnt vor Festlegung auf Magna

Der Bieterwettkampf um Opel steht vor der Entscheidung. Während die Opel-Mutter General Motors den Zulieferer Magna oder den Finanzinvestor RHJ bevorzugt, sind die Präferenzen der Bundesregierung unklar. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sprach sich gegen eine Festlegung auf Magna aus.

Berlin - Der Mutterkonzern General Motors (GM)  will im Bieterkampf um Opel bis Montag alle Übernahmeangebote vorliegen haben und möglicherweise schon in der kommenden Woche den neuen Mehrheitseigentümer auswählen. GM favorisiert den kanadischen Zulieferkonzern Magna und den belgischen Finanzinvestor RHJ. Mit im Rennen ist noch der chinesische Autobauer BAIC. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist gegen eine Vorfestlegung der Bundesregierung auf einen Bieter.

Nach der Rettungsaktion für Opel Ende Mai mit 1,5 Milliarden Euro an Staatskrediten haben Bund und Länder ein Mitspracherecht bei der Entscheidung. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte von einer "gewissen Präferenz" für Magna gesprochen. Für Wirtschaftsminister Guttenberg ist das Rennen dagegen offen und selbst eine Opel-Insolvenz nach wie vor nicht ausgeschlossen.

"Es ist ein ganz normaler Prozess, dass Gespräche mit mehreren Bietern geführt werden", sagte der CSU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Bei allen potenziellen Investoren gebe es noch viele Fragezeichen. "Die Bieter müssen zum Beispiel daran mitarbeiten, dass die neue Opel-Gesellschaft mit einer tragfähigen Kapitalstruktur starten kann. Das bedeutet, dass die Bieter bereit sein müssen, ein höheres Risiko zu übernehmen", betonte der Minister.

"Ich sage klar: Wir lassen uns nicht pressen und können es uns auch nicht leisten, das Versprechen des Standorterhalts alleine zum maßgeblichen Kriterium für den Zuschlag für Bürgschaften zu machen", sagte Guttenberg. Notwendig sei, einen wettbewerbsfähigen Konzern zu schaffen, "der zwingend auch Konsolidierungsmaßnahmen in Angriff nimmt". Eine Rückkaufoption des Mutterkonzerns GM für Opel lehnte der Minister kategorisch ab.

Die Magna-Gruppe , an der auch die russische Sberbank  beteiligt ist, präsentierte am Freitag der Bundesregierung ihr aktuelles Übernahmekonzept. Regierungsvertreter hätten sich zufrieden mit den Vorstellungen des Konsortiums gezeigt, berichtete das Nachrichten-Magazin "DER SPIEGEL".

Händler wollen sich weiter beteiligen

Obwohl Opel in den kommenden Jahren wohl weniger Autos produziere als angekündigt, sichere das Konsortium den Erhalt aller vier deutschen Opel-Standorte zu. Auch wolle Magna  weiter mit 4,5 Milliarden Euro an staatlichen Bürgschaften und Krediten auskommen. Bieterkonkurrent RHJ verlangte nur 3,8 Milliarden Euro. Das Konzept Magnas sei aber "stimmiger" gewesen, sagte ein Teilnehmer dem Magazin.

Die deutschen Opel-Händler sind weiterhin bereit, sich im Rahmen des europäischen Händlerverbunds an dem Rüsselsheimer Autobauer zu beteiligen. "Wir stehen bereit, wenn wir gefragt werden", sagte Kurt Kröger, Vorsitzender des deutschen Opelhändler-Verbands, der "Rheinischen Post". Nach seinen Angaben bieten die Opel-Händler europaweit an, von jedem verkauften Auto 150 Euro abzuzweigen und 350 bis 500 Millionen Euro in Opel zu stecken.

RHJI will im Fall einer Opel-Übernahme drastische Sanierungsschritte einleiten. Laut "Focus" soll die Belegschaft in Bochum bis 2014 von 4600 auf 2400 (minus 48 Prozent) schrumpfen, im Stammwerk Rüsselsheim von 3600 auf 2200 (minus 38 Prozent). Kaiserslautern soll 300 Jobs abbauen und letztlich noch 2800 Beschäftigte haben. Die Belegschaftsstärke im Corsa-Werk Eisenach soll mit rund 1600 bestehen bleiben. Allerdings solle das Werk zwei Jahre lang nicht produzieren.

RHJI plant laut "Rheinischer Post" europaweit den Abbau von 10.000 der 50.000 Opel-Jobs. Magna wolle sogar 11.600 Stellen streichen, allerdings in Deutschland weniger als RHJI.

Vera Fröhlich, ap

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