Möglicher Teilverkauf Arcandor-Zerschlagung rückt näher

Mit dem Rückzug des Sanierers Horst Piepenburg wird eine Zerschlagung des insolventen Arcandor-Konzerns wahrscheinlicher. Vorstandschef Karl-Gerhard Eick hat einem Bericht zufolge Investmentbanken beauftragt, Möglichkeiten für einen Teilverkauf von Karstadt und Primondo auszuloten.

Essen - Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick habe Investmentbanken als "Plan B" beauftragt, Möglichkeiten für einen Teilverkauf der Warenhauskette Karstadt und des Versandhändlers Primondo auszuloten, berichtete das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL am Samstag vorab. Die Tourismussparte Thomas Cook sei von der Insolvenz nicht betroffen.

Der am Donnerstag überraschend von seinem Amt zurückgetretene Arcandor-Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg hatte bislang betont, Arcandor  als Ganzes erhalten zu wollen. Piepenburg habe "schmerzhaft erfahren müssen, dass Arcandor nicht zu sanieren ist", zitiert das Magazin einen namentlich nicht genannten Vertrauten.

Offiziell hatte Piepenburg seinen Rückzug mit der fehlenden Unterstützung des Arcandor-Großaktionärs Sal. Oppenheim begründet. Die Privatbank hatte die Vorwürfe jedoch zurückgewiesen. Es fehle immer noch ein tragfähiges Sanierungskonzept, so die Bank, deren Gesellschafter über eine Industrieholding knapp ein Viertel der Arcandor-Anteile halten.

Der vorläufige Gläubigerausschuss habe sich in seiner konstituierenden Sitzung am Freitag mit der Frage einer Einzelverwertung befasst, bestätigte der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg am Samstag auf Anfrage. Ob dabei bereits ein Auftrag erteilt worden sei, wollte der Sprecher nicht sagen. Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski wies darauf hin, dass der Vorstand weiterhin bemüht sei, bis Mitte August einen Investor für Arcandor zu finden.

Die beiden Arcandor-Handelstöchter Karstadt und Primondo hätten mit Umsatzrückgängen zu kämpfen, so das Magazin. Während bei Primondo die Umsätze um bis zu 50 Prozent eingebrochen seien, seien bei Karstadt "vor allem durch Lücken im Warenbestand" die Umsätze im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund 8 Prozent geschrumpft, hieß es.

Arcandor-Sprecher Koslowski wies darauf hin, dass sich die Umsätze bei Karstadt nach dem "Insolvenzschock" bereits wieder weitgehend stabilisiert hätten. Für das bisherige Geschäftsjahr liege bei Karstadt der Umsatzrückgang bereinigt um die abgegebenen Buchabteilungen und Schließungsfilialen bei 2,8 Prozent, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Auch bei dem zu Primondo gehörenden Versender Quelle stabilisierten sich die Verhältnisse jetzt wieder zunehmend mit dem neuen Katalog. Der Quelle-Katalog war in diesem Jahr vor dem Hintergrund von Finanzierungsproblemen erst verspätet ausgeliefert worden.

Die Beschäftigten des insolventen Unternehmens haben sich unterdessen nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" einen eigenen Berater geholt. Die Entscheidung sei bereits vor dem Rücktritt von Piepenburg gefallen, berichtete das Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der Schritt wende sich nicht gegen den vorläufigen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und sein Team, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Arcandor, Hellmut Patzelt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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