Montag, 23. September 2019

Bahn Güterverkehr droht Chaos

In Deutschland sollen die Achsen von allen 100.000 Güterwaggons überprüft werden. Anlass sind ein Bahnunfall in Italien sowie anhaltende Probleme mit Achsen von S-Bahnen und ICEs. Branchenkennern zufolge drohen dem Warentransport in Deutschland chaotische Zustände.

Berlin - Nach Achs- und Radbrüchen bei ICEs und S-Bahnen sollen nun auch sämtliche Achsen von allen weit über 100.000 Güterwagen auf deutschen Schienen überprüft werden. Damit droht dem ohnehin im Zuge der Wirtschaftskrise schwer getroffenen Güterbahnen ein weiterer Rückschlag.

Stillgestanden: Das Eisenbahn-Bundesamt will 100.000 Güterwaggons überprüfen
Der Verband der privaten Güterbahnen warnte vor der völligen Lahmlegung des deutschen Güterverkehrs, wenn massenweise Waggons aus dem Verkehr gezogen werden müssten. Eine flächendeckende Überprüfung der Achsen stelle einen "organisatorischen Wahnsinn" dar, sagte der Geschäftsführer des Netzwerks Privatbahnen, Arthur-Iren Martini, gegenüber manager-magazin.de und rief die Behörden zu einer Umsetzung ihres Plans "mit Augenmaß" auf. Für die deutschen Güterverkehrsunternehmen könnte es einen harten Schlag bedeuten, wenn die Achsen nur hierzulande und nicht europaweit geprüft würden.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte, es solle so schnell wie möglich eine europäische Abstimmung unter Einbindung der EU-Kommission gesucht werden.

Nach dem schweren Kesselwagenunglück im italienischen Viareggio mit 22 Toten und weiteren Unfällen beabsichtige das Eisenbahn-Bundesamt eine "Verfügung zur Gewährleistung der Sicherheit" zu erlassen, hieß es am Donnerstag auf der Internet-Seite der Behörde: "Sämtliche in Güterwagen eingesetzte Radsatzwellen sollen innerhalb einer die Sicherheit wahrenden Frist einer geeigneten zerstörungsfreien Prüfung zur Bestätigung der Rissfreiheit zugeführt werden."

Darüber hinaus solle ein Intervall bestimmt werden, innerhalb dessen die Prüfung wiederholt werden müsse. Wegen verkürzter Wartungsintervalle nach einem Radbruch mit entsprechenden Werkstattaufenthalten liegt derzeit ein großer Teil der Berliner S-Bahn-Flotte still.

Nach einem Radbruch beim ICE-3 wurden auch die Wartungsintervalle bei den Hochgeschwindigkeitszügen verkürzt, Achsen sollen im großen Stil ausgetauscht werden. Den Eisenbahnunternehmen wurden bis Freitag, den 17. Juli, eine Frist zur Stellungnahme gegeben. Eine Sprecherin der Güterbahn-Tochter der DB wollte noch keine Angaben zur Reaktion des Unternehmens machen.

In Berlin herrschen wegen der Achsprobleme der S-Bahn bereits chaotische Zustände. Nun wird der Verkehr in der Innenstadt nun nahezu komplett eingestellt. Zwischen den Stationen Zoologischer Garten und Ostbahnhof würden ab Montag für zweieinhalb Wochen keine S-Bahn-Züge mehr verkehren, kündigte der bei der Deutschen Bahn zuständige Vorstand Ulrich Homburg am Donnerstag an. Grund sei der Beschluss des Eisenbahnbundesamtes (EBA), nach dem der S-Bahn nur noch rund ein Drittel der Flotte zur Verfügung steht. Den Verkehr zwischen Zoo und Ostbahnhof sollen sieben Regionalzüge pro Stunde und Richtung übernehmen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ddp

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