Samstag, 7. Dezember 2019

Abwrackprämie Die Autobranche wird leiden

Die Abwrackprämie wird der deutschen Autoindustrie im kommenden Jahr hart zusetzen. Der Neuwagenverkauf werde um knapp ein Viertel schrumpfen, sagt Eurotax-Schwacke-Chef Michael Bergmann. Gegenwärtig litten vor allem Leasinggesellschaften und das Gebrauchtwagengeschäft.

Frankfurt am Main - 2010 werde der Neuwagenverkauf in Deutschland im Vergleich zu 2009 um knapp ein Viertel schrumpfen, sagt der Geschäftsführer des Automobil-Datendienstleisters Eurotax Schwacke, Michael Bergmann. Im laufenden Jahr werde die Zahl der Neuzulassungen auf 3,6 Millionen Fahrzeuge hochschnellen, prognostizierte Bergmann. Ohne Abwrackprämie wären es nur 2,8 Millionen Neuwagen gewesen.

Kurzfristiger Impuls: 2010 wird der Neuwagenverkauf wegen der Abwrackprämie stark schrumpfen
70 Prozent der Neuwagenkäufe seien prämienbedingt als "Mitnahme- und Vorzieheffekte" zu werten, analysierte Bergmann. Hochgerechnet auf die durch die Prämie ausgelösten "tatsächlich zusätzlichen Käufe" subventioniere der Steuerzahler jede dieser Erwerbungen mit 7600 Euro. "Kostenneutral ist diese Aktion ganz sicher nicht und bestimmt nicht über die anfallende Mehrwertsteuer zu finanzieren", sagte Bergmann.

Die von der Bundesregierung zum Jahresanfang ausgelobte 2500-Euro-Prämie beim Kauf eines Neufahrzeugs bei gleichzeitiger Verschrottung eines mindestens neun Jahre alten Modells treffe auf "ungebrochene Resonanz", sagte Bergmann. Bestimmte Bereiche des Automobilgeschäfts seien gleichzeitig eingebrochen. Von einer Minusentwicklung seien vor allem Leasinggesellschaften und das Gebrauchtwagengeschäft betroffen. Bergmann berichtete von einer gestiegenen Zahl der Händlerinsolvenzen und hohen Verlusten auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Für Leasingfirmen sei es existenzbedrohend, dass die Restwerte der von den Kunden vertragsgemäß returnierten Fahrzeuge abgestürzt seien, führte Bergmann aus. Durch die Abwrackprämie sei das bisherige Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei Gebrauchten "durcheinandergewirbelt" worden. Der Verfall der Restwerte könne jedoch nicht allein der Prämie zugeschrieben werden. Ursache sei auch eine "chronische Überkapazität" der Autoindustrie, bilanzierte Bergmann.

manager-magazin.de mit Material von ddp.djn

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