Erdgas-Pipeline Start von Nabucco sorgt für Streit um Iran

Europäische Staaten haben in Ankara ein Abkommen zum Bau der Erdgas-Pipeline Nabucco unterzeichnet. Die 3300 Kilometer lange Leitung soll die EU mit Gas aus Asien versorgen und dadurch die Abhängigkeit von Russland verringern. Während die Transitstaaten feiern, gibt es neuen Streit um eine Beteiligung des Iran.

Ankara - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die politische Einigung auf die Gaspipeline Nabucco als historischen Moment für die Energiesicherheit in Europa bezeichnet.

Das Projekt, mit dem Gas vom Kaspischen Meer nach Europa geleitet werden soll, sei wichtig für Freundschaft und Frieden, sagte Erdogan am Montag zum Auftakt eines Treffens von Präsidenten und Regierungsvertretern der beteiligten Staaten. Nabucco zeige, dass die Türkei schon wegen der Energieversorgung ein Mitglied in der EU sein sollte.

Die Transitstaaten Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei haben am Vormittag eine Regierungsvereinbarung über die Gaspipeline unterzeichnet. Damit sollen staatliche Planungshürden für den Bau der etwa 3300 Kilometer langen Versorgungsleitung beseitigt werden.

Nabucco soll von 2014 an Gas vom Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands bis nach Österreich transportieren. Der Bau soll etwa 7,9 Milliarden Euro kosten. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte auch Gas aus dem Nahen Osten und Iran eingespeist werden. Europa will mit dem Bau seine Abhängigkeit von russischem Gas verringern.

USA gegen Beteiligung des Iran

Erdogan erklärte, er sei für die Durchleitung von iranischem Gas durch die Pipeline, sofern es die Bedingungen erlaubten. Die USA hatte bereits am Wochenende ihren Widerstand gegen eine mögliche Beteiligung des Irans angekündigt.

Zudem könne Katar eine wichtige Rolle einnehmen, indem es sich an einem Flüssig-Erdgas-Terminal in der Türkei beteilige, sagte Erdogan weiter. Außerdem seien mit Hilfe von Nabucco auch russische Gaslieferungen möglich.

Unterdessen hat auch Aserbaidschan Interesse an einer Beteiligung an Nabucco angemeldet. Der Energieminister Natik Alijew sagte, dass er eine Diversifizierung des Exports anstrebe. Auch die irakische Regierung kündigte an, Gas über die Türkei an Europa zu verkaufen.

An dem Projekt ist auch der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt. Der Essener Versorger hat Anfang Juli den ehemaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer als Berater für die Verhandlungen an Bord geholt.

Der Bau der 7,9 Milliarden Euro teuren Pipeline soll 2011 beginnen. Das Projekt hat sich bisher mehrmals verzögert, offen sind immer noch Fragen der Gaslieferungen und der Finanzierung.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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