Samstag, 23. November 2019

Krisenpolitik G8 stellen sich selbst in Frage

Keine Vision, keine Vorbereitung - die Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) kritisiert Italien für die schlechte Organisation des bevorstehenden Gipfels. Dabei könnte der Gipfel doch noch große Bedeutung erlangen: Wenn die G8 tatsächlich ihr einzigartiges Machtmonopol demontieren.

L'Aquila/Moskau/Berlin - Vor Beginn des G8-Gipfels am Mittwoch in Italien machte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür stark, künftig den stärksten 20 Wirtschaftsnationen (G20) die Vorreiterrolle bei der Lösung drängender globaler Probleme wie Erderwärmung, Hunger und Armut zu geben.

Gipfel zwischen Trümmern: Berlusconi in L'Aquila
DPA
Gipfel zwischen Trümmern: Berlusconi in L'Aquila
"Ich glaube, dass der internationale Zug sich in diese Richtung entwickelt hat", sagte Merkel am Dienstag in Berlin. Faktisch haben die G20 schon das Ruder in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren übernommen. Beim Treffen der G8-Staats- und Regierungschefs von diesem Mittwoch bis Freitag in der Abruzzenstadt L'Aquila sind die meisten Mitglieder der G20 ohnehin schon mit Spitzenpolitikern vertreten.

Angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage in vielen Staaten der Erde mahnt Papst Benedikt XVI. auch die G8-Staats- und Regierungschefs, sich für eine "echte politische Weltautorität" einzusetzen. Die Idee gehört zur am Dienstag in Rom veröffentlichten ersten Sozialenzyklika des Papstes.

"Italien hat seine beiträge nicht bezahlt"

An der Organisation des G8-Gipfels in Italien ist nach Medienberichten heftige Kritik aufgekommen. Diplomaten anderer Mitgliedsländer sind nach Angaben der britischen Zeitung "Guardian" so aufgebracht über die chaotischen Zustände, dass sogar Spekulationen um einen Rauswurf Italiens aus der Gruppe umgingen. "Der G8 ist ein Club, und Clubs haben Mitgliedsbeiträge. Italien hat diese nicht bezahlt", zitierte die Zeitung am Dienstag einen EU-Diplomaten. Die Amerikaner hätten in letzter Minute die Führung übernommen und Konferenzgespräche einberufen, um dem Treffen inhaltliche Bedeutung zu geben.

"Die Vorbereitungen Italiens für den Gipfel waren von Anfang bis Ende chaotisch", kritisierte Richard Gowan vom Centre for International Cooperation in New York. Die italienische Regierung hätte seit Januar gesagt, dass sie keine Vision für das Treffen hätte und dass sie von den USA gerne Anweisungen annehmen würde. Diplomaten bemängeln nach Angaben der Zeitung zudem, dass im Entwurf der Abschlusserklärung wenig Neues enthalten sei.

Der Gipfel findet von Mittwoch bis Freitag in L'Aquila in der mittelitalienischen Region Abruzzen statt. Zur Gruppe der Acht gehören Deutschland, die USA, Japan, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Russland.

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