Freitag, 13. Dezember 2019

Krisenpolitik G8 stellen sich selbst in Frage

2. Teil: Neues Verhältnis von Moskau und Washington

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte seine Kollegen aus den USA, Russland, Kanada, Japan, Frankreich, Großbritannien und Deutschland kurzfristig von Sardinien in die Abruzzen umdirigiert. L'Aquila war am 6. April von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Zehntausende waren obdachlos geworden, fast 300 Menschen waren getötet worden. Die Spuren der Zerstörung sind in der Region weiter sichtbar. Berlusconi, der wegen Frauengeschichten unter politischem Druck steht, hofft mit dem Glanz des Gipfels sein Image wieder aufpolieren zu können. Allerdings gab es schon vor Beginn Kritik an der chaotischen Organisation.

Imagepflege: Berlusconi posiert mit Obama und Medwedew im April auf dem G20-Gipfel
AFP
Imagepflege: Berlusconi posiert mit Obama und Medwedew im April auf dem G20-Gipfel
Besonderes Augenmerk genießt US-Präsident Barack Obama bei seinem ersten G8-Gipfel. Obama und die russische Führung räumten am Montag und Dienstag in Moskau zumindest einige der Streitpunkte zwischen ihren Ländern aus und wollen bei der atomaren Abrüstung sowie im Kampf gegen die illegale Verbreitung von nuklearem Material vorankommen. Das dürfte auch die Linie des G8-Gipfels gegenüber Nordkorea und dem Iran maßgeblich bestimmen, die beide offensichtlich nach der Atombombe streben. Der respektvolle Umgang Obamas mit seinem russischen Amtskollegen Dmitri Medwedew sowie dessen Vorgänger und jetzigen russischen Premierministers Wladimir Putin dürfte zumindest helfen, für eine gute Atmosphäre in L'Aquila zu sorgen.

Für politischen Streit wird die Abschlusserklärung zum Klimaschutz sorgen. Umstritten war eine präzise Angabe zur Erderwärmung. Die Europäer pochen darauf, dass sie im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung auf maximal zwei Grad Celsius begrenzt wird, berichteten Diplomaten am Dienstag in L'Aquila. Widerstand dagegen gibt es unter anderem aus Russland oder Kanada.

Ein Tauziehen gibt es auch um konkrete langfristige Klimaziele. Der Schadstoffausstoß soll bis 2050 weltweit um 50 Prozent verringert werden. Basis für dieses Ziel soll das Jahr 1990 sein. Es sei hingegen kaum zu erwarten, dass konkrete Ziele auf mittlere Sicht festgeschrieben werden, berichteten Diplomaten.

Die EU will ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent verringern - verglichen mit 1990. Die Weltgemeinschaft will im Dezember in Kopenhagen ein neues wirksames Klimaschutzabkommen aushandeln. Der G8 könnte zumindest Weichen für einen Erfolg stellen.

Angesichts des Einbruchs im Welthandel pochen die Europäer auf konkrete Vereinbarungen, um die Gespräche der sogenannten Doha-Runde im kommenden Jahr abzuschließen. Dieses Ziel soll in der Gipfelerklärung festgeschrieben werden, sagten Diplomaten in L'Aquila. Die Doha-Runde läuft seit 2001 und soll weltweit Handelsschranken abbauen.

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