Arcandor Chancen für Karstadt und Quelle

Die insolventen Arcandor-Töchter Quelle und Karstadt können nach Ansicht der vorläufigen Insolvenzverwalter im Kern erhalten werden. Allerdings steht beiden Traditionsunternehmen eine harte Sanierung bevor, bei der zahlreiche Job verloren gehen dürften.

Fürth/München - Für den Umbau des Versandhändlers Quelle sollen noch in diesem Monat erste Eckpunkte vorliegen. "Es wird drastische Maßnahmen geben müssen, die auch Arbeitsplätze kosten werden", sagte der zuständige Verwalter Jörg Nerlich der "Süddeutschen Zeitung". Voraussetzung sei, dass Banken und Betriebsrat mitspielten.

Wie viele der fast 10.000 Arbeitsplätze bei Quelle und in Schwesterfirmen wegfallen werden, könne man noch nicht beziffern. "Wir spielen die unterschiedlichsten Szenarien durch und schauen uns an, wo sich bei Quelle wie dauerhaft Rendite erzielen lässt und wo wir schneiden müssen", sagte Nerlich. Es gebe bereits erste Interessenten für eine Übernahme von Quelle.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erklärte, das laufende Insolvenzverfahren werde "ein sehr harter und von vielen Unwägbarkeiten begleiteter Weg". "Quelle braucht eine zügige Modernisierung, denn die Wettbewerber schlafen nicht", sagte Guttenberg dem "Münchner Merkur" (Samstag). Zu den vom Staatshilfen erklärte er, der zugesagte Massekredit sei an die notwendige Sicherheit gebunden, dass Steuergelder wieder zurückfließen.

Auch der Karstadt-Beauftragte des vorläufigen Arcandor-Insolvenzverwalters, Rolf Weidmann, zeigte sich für die Warenhaus-Kette zuversichtlich. "Ich sehe eine hohe Chance, Karstadt als Unternehmen zu retten", sagte Weidmann der "WAZ" (Samstag). Das Geschäft laufe gut. "Im Mai und Juni hat Karstadt schwarze Zahlen geschrieben, das soll im Juli auch so sein." Seit Juli zahle die Kaufhaus-Kette auch wieder Miete für ihre Häuser.

Es gebe allerdings noch großen Sanierungsbedarf. Es sei mit Stellenabbau zu rechnen. "Man muss davon ausgehen, dass einige Mitarbeiter bei Karstadt entlassen werden müssen", erklärte Weidmann.

Quelle will ab Montag wieder Rechnungen bezahlen

Quelle will schon in dieser Woche seine wichtigsten Rechnungen bezahlen. Bis zum Mittwoch könne die Essener Valovis-Bank ihre Zahlungen an Quelle wieder aufnehmen, erklärte der Sprecher des Arcandor-Insolvenzverwalters, Thomas Schulz. Die Bank, die die Finanzgeschäfte für Quelle abwickelt, werde von dem Massekredit über 50 Millionen Euro von Bund und Ländern besichert. Das Geldhaus hatte Quelle nach der Insolvenzanmeldung von jeglichen Geldströmen abgeschnitten. "Sobald wir Zugriff auf die Konten haben, werden wir in unserem ureigenen Interesse die drängendsten Rechnungen bezahlen", sagte Quelle-Sprecher Manfred Gawlas.

Steinbrück greift Seehofer wegen Quelle an

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) griff CSU-Chef Horst Seehofer wegen seines Verhaltens in der Quelle-Krise scharf an. "CSU-Chef Seehofer lässt sich in Fürth mit einem Quelle-Katalog in Retterpose fotografieren, obwohl eine Reihe von Fragen im Interesse des vielzitierten Steuerzahlers noch gar nicht geklärt waren. Dafür hätte der auch seine Großmutter verkauft", sagte Steinbrück der "Bild am Sonntag". Gegen Staatshilfen sei Seehofer nur, wenn es um Betriebe außerhalb von Bayern gehe.

In der Auseinandersetzung um die zwischenzeitlich gestoppte Auslieferung des Quelle-Katalogs warnte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg vor Schaden für den Versandhändler. Dadurch könne die Überlebensfähigkeit des Unternehmens beeinflusst werden, zitierte ihn "Focus Online". Görg bat die Druckereien, die Auslieferung nicht länger zu blockieren und in Vorkasse zu gehen. Die Verzögerungen bei der Fertigstellung des Katalogs verursachten Tag für Tag Schäden in großer Höhe.

Unterdessen erzielte Quelle im Internet nach eigenen Angaben im Juni erstmals 50 Prozent seiner Umsätze. Damit sei ein wichtiges Etappenziel bei der Ausrichtung von Quelle auf das elektronische Geschäft erreicht.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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