Juni Volkswagen schafft Absatzwende

Volkswagen steigert den zweiten Monat in Folge seinen Fahrzeugabsatz und koppelt sich damit zusehends von der globalen Autokrise ab. Kurzarbeit spielt kaum noch eine Rolle. Jetzt wollen die VW-Arbeiter auch mehr Geld sehen. Vorstandschef Martin Winterkorn warnt dagegen vor Euphorie.

München - Im Juni wuchs der Konzernabsatz von Volkswagen weltweit um 6 Prozent, wie VW-Chef Martin Winterkorn am Freitag auf einer Veranstaltung in München erklärte. In der ersten Jahreshälfte schlug Europas größter Autokonzern damit lediglich 5,1 Prozent weniger Fahrzeuge an die weltweite Kundschaft los. Der gesamte Weltmarkt brach dagegen um 18 Prozent ein.

Die Bänder laufen: Im Gegensatz zur Konkurrenz spielt Kurzarbeit beim Volkswagen-Konzern kaum noch eine Rolle.

Die Bänder laufen: Im Gegensatz zur Konkurrenz spielt Kurzarbeit beim Volkswagen-Konzern kaum noch eine Rolle.

Foto: DDP

Der niedersächsische IG-Metallchef und VW-Aufsichtsrat Hartmut Meine sagte den "VDI-Nachrichten", er rechne damit, dass der Auftragsboom dank Abwrackprämie auch im zweiten Halbjahr anhalte. Er verteidigte deshalb die Forderung der Gewerkschaft nach mehr Lohn.

Volkswagen  profitiert wegen seiner Kleinwagenmodelle stärker als andere Autobauer von der in immer mehr Ländern gezahlten staatlichen Abwrackprämie. Bereits im Mai hatten kräftige Zuwächse in Deutschland, China und Brasilien den Absatz erstmals seit Monaten wieder leicht steigen lassen.

"Volkswagen hält Kurs und schlägt sich ordentlich"

Winterkorn sagte, für 2009 rechne er mit einem Rückgang des Gesamtmarkts gegenüber 2007, dem Jahr vor Beginn der weltweiten Absatzkrise, um zwölf Millionen Fahrzeuge auf 47 Millionen Einheiten. "Volkswagen hält Kurs und schlägt sich im Wettbewerbsvergleich weiterhin ordentlich", sagte der VW-Chef. Dies sei kein Grund zur Euphorie. Es zeige aber, dass Volkswagen mit seiner Strategie auf dem richtigen Weg sei. Der Konzern mit seinen sieben Pkw-Marken, darunter VW, Audi, Seat und Skoda, der VW-Nutzfahrzeugsparte und dem schwedischen Lkw-Bauer Scania will in den nächsten Jahren den japanischen Autobauer Toyota als Weltmarktführer ablösen.

VW-Werker wollen mindestens 4,2 Prozent mehr Lohn

Andere Länder wollen mit Umweltprämie nachziehen

IG-Metall-Bezirkschef Meine sagte: "Für 2010 erwarten wir auf den westeuropäischen Märkten eine Stabilisierung, weil auch andere Länder mit einer Umweltprämie nachziehen." Die gute Situation bei VW belege auch die Tatsache, dass im Nutzfahrzeugwerk in Hannover die Kurzarbeit auslaufe und die Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter wieder wüchsen. "Volkswagen Nutzfahrzeuge hat bereits angekündigt, dass nach der Sommerpause wieder voll gearbeitet wird. In den anderen Werken gibt es keine Kurzarbeit, und das ist auch der große Unterschied zu den anderen deutschen Automobilherstellern", sagte Meine.

VW-Werker wollen mindestens 4,2 Prozent mehr Lohn

VW lässt das wichtige Kompaktmodell Golf wegen der hohen Nachfrage auch während der Werksferien in Wolfsburg vom Band rollen. Dem Konzern zufolge gilt Kurzarbeit nur mehr für weniger als 1000 Beschäftigte. Bei Daimler sind noch 47.000 Menschen betroffen, bei BMW 12.200.

Meine, der Verhandlungsführer der Gewerkschaft bei den anstehenden Haustarifverhandlungen bei VW ist, bekräftigte die Forderung nach mindestens 4,2 Prozent höheren Löhnen. "Es wird den VW-Arbeitern nicht zu vermitteln sein, dass sie weniger bekommen als die Beschäftigten der VW-Tochter Audi, die unter den Flächentarif fallen und die 4,2 Prozent mehr bekommen haben, dazu noch Einmalzahlungen."

Mit Blick auf alternative Antriebsformen sagte Winterkorn, VW müsse neben Elektro alle relevanten Technologien beherrschen. In Europa bleibe der Diesel- und Ottomotor in den nächsten 15 bis 20 Jahren der vorherrschende Antrieb. VW werde ab 2013 die ersten Elektroautos auf den Markt bringen. Spätestens in einem Jahrzehnt wolle der Konzern "nennenswerte Stückzahlen" produzieren.

manager-magzain.de mit Material von reuters

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