Donnerstag, 5. Dezember 2019

Autoindustrie Sturm vor der Ruhe

Daimler und BMW fahren die Produktion hoch, die Autoverbände jubeln über den von der Abwrackpräme angefachten Absatzboom. Doch laut einer Studie rückt die Branche in Wirklichkeit immer näher an den Abgrund - mit jedem verkauften Fahrzeug schreiben die Hersteller demnach hohe Verluste.

Bad Homburg - Die Abwrackprämie hat den Autoabsatz im Juni kräftig angekurbelt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um 40 Prozent auf 427.000, teilten der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Donnerstag übereinstimmend mit. Im gesamten ersten Halbjahr sei der Absatz damit um 26 Prozent auf 2,06 Millionen Fahrzeuge geklettert. Dies übertreffe sogar den Neuzulassungsrekord aus dem Jahr 1999.

Was braut sich da zusammen? Daimler fährt die Produktion hoch, doch die Aussichten für die Branche sind schlecht
Besonders gefragt waren Kleinwagen, in diesem Sektor stiegen die Neuzulassungen um 85 Prozent. Bei Wagen der oberen Mittelklasse und der Oberklasse verzeichneten die Autohersteller dagegen Rückgänge im zweistelligen Bereich. Nach Berechnungen des VDIK wirkte die Abwrackprämie in den neuen Bundesländern besonders kräftig - dort stieg der Autoabsatz von Januar bis Juni um 49 Prozent, bundesweit um 26 Prozent.

Der Privatmarkt sei im ersten Halbjahr um etwa 99 Prozent oder fast 650.000 Fahrzeuge gewachsen, berichtete der VDIK. Der gewerbliche Markt habe dagegen um mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen.

Der größte Lobbyverband der Branche, der VDA, gibt sich daher optimistisch. Im gesamten Jahr 2009 sei in Deutschland mit einem Absatz von 3,5 Millionen Personenwagen zu rechnen. Dieser Wert ergebe sich selbst dann, wenn das zweite Halbjahr lediglich das Vorjahresniveau erreichen sollte, teilte der Verband in Frankfurt mit.

Das hohe Niveau werde aber im kommenden Jahr "sicherlich nicht zu erreichen" sein, warnte der Verband jedoch. Es gebe keinen Grund, "in Euphorie auszubrechen", sagte VDA-Chef Matthias Wissmann.

Der Automobilkonzern Daimler Börsen-Chart zeigen sieht dennoch positive Zeichen und will seine Produktion wieder steigern. Mit großer Wahrscheinlichkeit würden dann auch viele Beschäftigte wieder länger arbeiten, kündigte Konzernchef Dieter Zetsche in der Zeitung "Die Welt" an. "Die Zahl der Kurzarbeiter wird voraussichtlich weiter sinken." Derzeit sind rund 47.000 Daimler-Beschäftigte in Kurzarbeit, davon etwa 35 000 in den Pkw-Werken. Das sind 10.000 weniger als noch im Mai. Im Werk Rastatt, wo A- und B-Klasse gebaut werden, arbeiten die Beschäftigten dank gestiegener Nachfrage inzwischen wieder voll.

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