DocMorris-Boykott Apotheker müssen zahlen

Das Kartellamt verdonnert mehrere Apothekerverbände zu einem Millionenbußgeld. Zwar dienen inhabergeführte Apotheken dem Wohle der Patienten mehr als große Ketten, hieß es. Ein Boykottaufruf sei dennoch unrechtmäßig.
Imagepflege: Apotheker mögen keine Ketten

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Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Bonn - Apothekenverbände müssen 1,2 Millionen Euro Bußgeld zahlen, weil sie zum Boykott des DocMorris-Mutterkonzerns Celesio  aufgerufen hätten, teilte das Kartellamt am Donnerstag in Bonn mit. Konkret hätten die Verbände dazu aufgefordert, nicht mehr bei der Celesio-Arzneihandelstochter Gehe  zu kaufen. Celesio hatte die Apothekenkette DocMorris 2007 übernommen.

In den vergangenen Jahren gab es in der Apothekenbranche einen erbitterten Kampf um die Zukunft des Systems: Die alteingesessenen Apotheker kämpften darum, die Entstehung von Apothekenketten zu verhindern. In die Zeit dieser Auseinandersetzung fallen auch die Boykottaufrufe der Verbände.

Von dem Bußgeld betroffen sind demnach die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sowie mehrere Landesapothekerverbände. Die Bußgelder richten sich auch gegen mehrere Einzelpersonen, darunter Verbandsfunktionäre und ein Redakteur der von der ABDA herausgegeben "Pharmazeutischen Zeitung".

Die ABDA wandte sich scharf gegen die Bußgeldbescheide. Die Vorwürfe seien "unbegründet", erklärte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. "Wir werden nicht zulassen, dass uns im Handstreich die Möglichkeit zur unabhängigen Vertretung unserer Mitglieder und deren Interessen in der politischen Diskussion genommen wird." Der Verband wolle den Bescheid notfalls vor Gericht anfechten.

Nach jahrelangem Ringen hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) vor wenigen Wochen das Verbot von Apothekenketten bestätigt. Dabei argumentierten die Richter, dass inhabergeführte Apotheken dem Wohle der Patienten mehr dienten als große Ketten, die stärker auf ihre Gewinnmaximierung ausgerichtet sein dürften.

DocMorris musste damit seine Pläne aufgeben, nach der Präsenz in anderen Ländern auch in Deutschland eine Apothekenkette aufzubauen. Allerdings darf das Unternehmen seine Strategie weiterverfolgen, über die Vergabe von Lizenzen an inhabergeführte Apotheken auch in Deutschland weiter Fuß zu fassen.

manager-magazin.de mit Material von afp

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