Opel-Betriebsrat "GM zockt auf hohem Niveau"

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz hat den Mutterkonzern General Motors scharf für seine Verhandlungsstrategie beim Verkauf des Rüsselsheimer Autobauers kritisiert. Zuvor war bekannt geworden, dass der Finanzinvestor Ripplewood ein neues Angebot für den deutschen Autobauer vorgelegt haben soll.

Berlin - Bei der Opel-Rettung scheint wieder alles offen: Inzwischen verhandelt der Opel-Mutterkonzern General Motors wieder offensiv mit anderen Interessenten für die deutsche Tochter. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz tobt deswegen und wirft den Amerikanern Taktiererei vor.

"GM zockt auf hohem Niveau, um die Bedingungen für den Verkauf der Opel-Anteile für sich zu verbessern", wettert Franz in der "Bild"-Zeitung. Dies werde allmählich unerträglich für Tausende Opel-Beschäftigte in Europa.

Tatsächlich tut GM derzeit alles, um die Festlegung von Bund, Länder, US-Regierung und der Mutterkonzern General Motors (GM)  auf den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna  als Investor wieder in Frage zu stellen.

So berichtete die "Financial Times" (FT), RHJ International, Tochter des US-Finanzinvestors Ripplewood habe ein verbessertes Angebot vorgelegt und sei damit wieder "voll im Spiel". Noch in dieser Woche könne der insolvente Opel-Mutterkonzern GM ein "Memorandum of Understanding", eine unverbindliche Absichtserklärung, unterzeichnen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen Insider. GM nehme das überarbeitete Angebot sehr ernst.

Franz dementierte den Bericht dagegen. Nach seinen Worten sind Berichte über einen möglichen Einstieg des belgischen Ripplewood-Ablegers RHJ falsch. "Mir ist kein neues Angebot von Ripplewood und kein neuer Investor bekannt", sagte Franz, der zugleich Vizevorsitzender des Opel-Aufsichtsrats ist.

Tatsächlich wirkt das neue Angebot von RHJ wie ein Bluff von GM. Fraglich ist, ob der Investor in der jetzigen Lage überhaupt die Finanzkraft aufbringt, bei Opel einzusteigen. Die weltweite Autokrise hat dem Unternehmen einen Milliardenverlust beschert. Der Fehlbetrag habe sich im Geschäftsjahr 2008/2009 bis Ende März auf eine Milliarde Euro mehr als verdoppelt, teilte RHJ International am Mittwoch mit.

RHJ-Chef Leonhard Fischer erklärte, die in Brüssel ansässige und börsennotierte Beteiligungsgesellschaft habe Ende März flüssige Mittel in Höhe von 541,8 Millionen Euro zur Verfügung gehabt. Ob und wie viel Geld in eine Opel-Beteiligung fließen soll, sagte er nicht.

BAIC und Fiat bekräftigen Interesse

Doch RHJ ist nicht der einzige Opel-Interessent, mit dem GM weiter verhandelt. Insider bestätigten, dass auch mit dem chinesischen Autobauer BAIC noch Gespräche geführt würden. Das chinesische Unternehmen werde voraussichtlich noch in dieser Woche ebenfalls ein nachgebessertes Angebot für Opel vorlegen, hieß es.

Auch Fiat  bekräftigte sein Interesse, will aber kein neues Angebot abgeben. Die Italiener waren vor allem bei den Opel-Arbeitnehmern auf Widerstand gestoßen, weil das Unternehmen im Falle einer Übernahme möglicherweise ein Werk in Deutschland schließen wollte. Fiat-Chef Marchionne garantierte später zwar in einem Interview den Erhalt aller vier deutschen Standorte, konnte damit aber Zweifel bei den Gewerkschaften und Politikern der betroffenen Bundesländer nicht ausräumen. Dennoch, heißt es jetzt, habe man sich von den Opel-Plänen nicht verabschiedet.

Magna drückt angesichts der neu aufkeimenden Hoffnungen bei den Mitbietern aufs Tempo. "Wir wollen am 15. Juli zum Abschluss kommen", sagte Magna-Chef Siegfried Wolf am Dienstag. An jedem Tag ohne Entscheidung werde "Geld verbrannt". Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) drängt auf einen schnellen Abschluss und spricht von monatlichen Verlusten bei Opel von 100 Millionen Euro, die derzeit dem Steuerzahler aufgebürdet würden. Auch die Bundesregierung ist daran interessiert, das Konzept für Opel unter Dach und Fach zu bringen - ein Scheitern wäre eine Blamage für die Politik.

Magna-Chef Wolf sagte, die Verhandlungen kämen gut voran. Für das Einholen weiterer Angebote durch GM habe man durchaus Verständnis. Nach offizieller Darstellung sieht man die Gespräche mit mehreren Interessenten nicht als Störfeuer. Nur hinter vorgehaltener Hand heißt es, GM wolle die Verhandlungen mit Magna torpedieren und eine Lösung noch im Juli verhindern. GM verlangt eine Rückkaufoption für Opel, Magna lehnt das ab. Der Magna-Partner beim Opel-Einstieg, die russische Sberbank , sieht den Deal daher entsprechend pessimistisch: Sie gibt offen zu, dass ein Platzen der Übernahme möglich ist.

manager-magazin.de mit Material von afp, reuters und Spiegel Online