Maschinenbau Auftragseinbruch um 48 Prozent

Der deutsche Maschinenbau leidet weiter schwer unter der Wirtschaftskrise. Die monatlichen Bestellungen sind binnen eines Jahres um real 48 Prozent gefallen. Der Branchenverband sieht die Hauptursache für die seit einem Jahr anhaltende Auftragsflaute in der zögerlichen Kreditvergabe durch die Banken.

Frankfurt - "Erholung ist nicht unser Thema", räumte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA, Hannes Hesse, am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa-AFX ein. Es würden zwar Projekte verhandelt, und die Frühindikatoren hellten sich auf, doch schlage sich das noch nicht im Auftragseingang nieder. Die Produktion im laufenden Jahr sieht er weiterhin um bis zu einem Fünftel schrumpfen.

Die monatlichen Bestellungen sind binnen eines Jahres um real 48 Prozent gefallen. Dabei war es wieder einmal das Auslandsgeschäft, das mit 51 Prozent besonders stark nachgab, während die inländischen Aufträge um 42 Prozent absackten. Die Talsohle sei noch nicht erreicht, hieß es. Dabei hatte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau auf der Hannover Messe im Frühjahr die Hoffnung auf eine Besserung der Lage geweckt. "Ich hoffe immer noch, dass sich die Lage Mitte des Jahres entspannt", sagte Hesse. "Der Knoten muss irgendwann platzen.

"Der Maschinenbau hängt am Boden wie ein Flugzeug ohne Sprit", sagte Hesse weiter. Es könne nicht angehen, dass die Staaten die Märkte mit Geld fluteten, und die Banken bunkerten die Liquidität. "Man muss die Banken zwingen, das Geld rauszugeben", appellierte er in Richtung Politik.

Auftragseingang im Maschinenbau

Seit Oktober 2008 gehen die Aufträge für den erfolgsverwöhnten deutschen Maschinenbau massiv zurück. Die realen Auftragseingänge sanken nach den Zahlen des Branchenverbandes VDMA im Mai zum achten Mal in Folge zweistellig im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat.
Okt. 2008: minus 16 Prozent
Nov. 2008: minus 30 Prozent
Dez. 2008: minus 40 Prozent
Jan. 2009: minus 42 Prozent
Feb. 2009: minus 49 Prozent
Mär. 2009: minus 35 Prozent
Apr. 2009: minus 58 Prozent
Mai 2009: minus 48 Prozent
Quelle: VDMA, 1. Juli 2009

Denn die Unternehmen bekamen weiterhin nur noch halb so viele Aufträge herein wie vor einem Jahr. "Bei den Banken sind die Kunden keine Könige", sagte Hesse. Die Institute verlangten von den Firmen ständig neue Sicherheiten für Darlehen. Die Unternehmen hechelten den Anforderungen hinterher.

Das milliardenschwere Kreditprogramm der staatlichen Förderbank KfW ist für ihn in der derzeitigen Form keine wirkliche Alternative. "Die KfW ist personell unterbesetzt. Es dauert zu lange, bis ein Antrag durchgeht."

Leiharbeiter müssen gehen

Entmutigen ließen sich die Unternehmen allerdings nicht, beteuerte Hesse. "Die Maschinenbauer sind erstaunlich wenig niedergeschlagen." Dabei sei die Lage weiterhin schwierig. "Erholung ist nicht unser Thema." Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau wäre schon zufrieden, wenn die Minusraten beim Auftragseingang abnähmen. "Ich hoffe immer noch, dass sich die Lage Mitte des Jahres entspannt." Der Bedarf für neue Maschinen sei vorhanden, die Lager leer, und die Frühindikatoren hellten sich laufend auf.

"Wir hören in vielen Bereichen, dass Projekte verhandelt werden, etwa bei den Kunststoff-Maschinen", stellte Hesse fest, "aber es schlägt sich noch nicht im Auftragseingang nieder." Zudem gebe es Branchenzweige, in denen die Produktion unvermindert laufe, weil die Bücher weiterhin gut gefüllt seien. "Im Energiebereich läuft es nicht schlecht." Auch der Großanlagen-Bau mit seinen langen Projektzeiten sei noch stabil.

Hesse räumte jedoch ein, dass in der gesamten Breite der Branche rasch etwas geschehen müsse. Durch Kurzarbeit alleine werde die maue Auftragslage nicht mehr aufzufangen sein, warnte er. "Irgendwann geht den Unternehmen das Geld aus." Nach letztem Stand sind 158.000 der knapp eine Million Beschäftigten in Kurzarbeit. Von Entlassungen haben die zumeist familiengeführten Maschinenbauer dagegen bislang weitgehend abgesehen. "Betriebswirtschaftlich ist das schon heute kaum mehr zu rechtfertigen", sagte Hesse.

Die in der Spitze 60.000 Leiharbeiter mussten bereits großteils gehen, auch Mitarbeiter mit befristeten Verträgen sind schon weg. Nach Hesses Schätzung wird sich die Beschäftigungslage in den kommenden Monaten noch zuspitzen. "Wenn die Produktion im laufenden Jahr zwischen 15 und 20 Prozent schrumpft, gehen zwischen 50.000 und 60.000 Arbeitsplätze verloren." Und einen Rückgang um 15 Prozent oder mehr halte er mittlerweile für die wahrscheinlichste Variante. Schlimmer als 20 Prozent werde es allerdings nicht, bestätigte er die bestehende Produktionsprognose.

"Wenn wir von den Auswirkungen der Krise reden, haben wir das Schlimmste wohl noch nicht gesehen", warnte Hesse. Erst im kommenden Jahr sieht er die Branche wieder im Aufwärtstrend. "Aber das sind Zahlenspiele." Denn als Vergleichszeitraum zähle dann das schwache Jahr 2009. "Bis wir das Niveau von 2008 wieder erreichen werden, wird es noch einige Zeit dauern."

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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