Verhandlungen Irak vergibt Öllizenzen ins Ausland

Knapp vier Jahrzehnte nach der Verstaatlichung des Energiesektors haben erstmals wieder ausländische Konzerne die Lizenz zur Ölförderung im Irak erhalten. Als erste Bewerber setzten sich laut irakischem Ölministerium der britische Erdölriese BP und der chinesische Konkurrent CNPC International durch.

Bagdad - Insgesamt hatte Bagdad Förderlizenzen für sieben Öl- und zwei Gasfelder ausgeschrieben. Nach Regierungsangaben erhalten BP  und CNPC International  eine Lizenz für das südirakische Ölfeld Rumaila, in dem Reserven von 17,7 Millionen Barrel Öl vermutet werden. Für die Ölfelder Missane im Süden und Bai Hassan nahe der nordirakischen Stadt Kirkuk sowie für das Gasfeld Mansurijah fanden sich nach AFP-Informationen hingegen keine Lizenznehmer. Demnach konnte sich die Regierung mit dem US-Riesen Conoco Phillips  und den chinesischen Ölfirmen CNOOC  und Sinopec  nicht auf den Preis für die geförderte Ölmenge einigen.

Die Lizenzvergabe sei sowohl für den Irak als auch für die 31 antragstellenden Unternehmen von Nutzen, sagte Ministerpräsident Nuri el Maliki. Den künftigen Lizenzinhabern sicherte er zu, für mehr Sicherheit und alle anderen notwendigen Voraussetzungen zu sorgen, "damit sie ihre Arbeit gut machen" könnten.

Laut Ölminister Hussein Schahristani sollen die ausländischen Ölriesen innerhalb der nächsten fünf Jahre dabei helfen, die irakische Produktion von derzeit 2,4 Millionen Barrel am Tag auf mehr als vier Millionen Barrel zu steigern. Die Ankurbelung der Produktion soll binnen 20 Jahren rund 1,7 Billionen Dollar in die irakische Staatskasse spülen. "Das ist ein enormer Betrag, mit dem die Infrastruktur im Irak finanziert werden soll: Schulen, Straßen, Flughäfen, Wohnungen, Krankenhäuser", sagte Schahristani.

Die internationalen Konzerne wollen mit der Sicherung der Bohrrechte wieder Fuß fassen in dem ölreichen Land, dessen Ölindustrie 1972 verstaatlicht worden war. Der Irak verfügt über die drittgrößten Erdölreserven weltweit, jedoch war nach dem Einmarsch der irakischen Truppen in Kuwait 1990 und dem folgenden Krieg die Ölförderung im Irak fast zusammengebrochen. Wegen UN-Sanktionen konnte das Land später lange Zeit nur eingeschränkt Öl exportieren. Heute fehlt es an Geld, Technik und Infrastruktur, um die riesigen Vorkommen besser auszubeuten.

Andere große Exportländer haben ihre Ölindustrie in den vergangenen Jahren in Staatshand gebracht, um stärker an den Öleinnahmen beteiligt zu sein. So bringt der venezolanische Präsident Hugo Chavez die Ölförderung nach und nach in Staatshand. In Russland, wo in den 90er Jahren zahlreiche Lizenzen an ausländische Konzerne vergeben wurden, sind heute Beteiligungen in der Regel nur noch in Kooperation mit staatlichen russischen Unternehmen möglich.

manager-magazin.de mit Material von afp