Quelle Wirtschaftsexperten gegen Staatskredit

Weil weder Sicherheiten für Staatskredite zugunsten der Arcandor-Tochter Quelle leicht zu liefern sind, noch Konkurrenten bisher Interesse an dem Versandhaus gezeigt haben, warnen Experten vor einem Millionendarlehen auf Kosten des Steuerzahlers. Jetzt hat auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Erwartungen gedämpft.
Von Karsten Stumm

Berlin - Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat Quelle zugesichert, an diesem Montag Abend über Geldspritzen der Steuerzahler für das Handelshaus Quelle zu entscheiden. Noch heute werde das entscheidende Gremium in Berlin über den Geldwunsch des bayerischen Universalversandhauses Quelle beraten. Das bayerische Wirtschaftsministerium wird nach Angaben einer Sprecherin an dem Treffen teilnehmen.

Guttenberg hatte zuvor das Bundesfinanzministerium um die Prüfung des Quelle-Kreditantrages gebeten. Der Wirtschaftsminister nannte den gewünschten Massekredit dann auch nur "eine Option", den Ausgang der Beratungen schätzte er nüchtern ein: "Wir werden sehen, ob wir die Fragen lösen können", sagte er.

Der Hintergrund: Der Insolvenzverwalter der Arcandor-Tochter hat sowohl die Bundes- als auch die Landesregierungen von Bayern und Sachsen zuvor gebeten, dem Versandhaus einen Kredit über 50 Millionen Euro zu geben; in den beiden Bundesländern haben bedeutende Quelle-Niederlassungen ihren Sitz. Die Bundesregierung solle das Geld der Steuerzahler in Form eines sogenannten Massekredits an Quelle weiterreichen. Damit werde sichergestellt, dass Bund und Länder immerhin als erste auf das Restvermögen der Quelle haben, sollte das Unternehmen trotz der Finanzspritze bald Schiffbruch erleiden - und aus der Luft gegriffen ist das nicht:

Wie ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers ergab, hat das Arcandor-Management die komplette Quelle längst bei ihren Banken als Sicherheit hinterlegt. Bargeld ist zudem auch nicht mehr vorhanden, wie Arcandor mittlerweile bestätigt hat. Kurz vor der Insolvenz sammelte die Essener Konzernleitung das Restgeld der Tochter ein. Arcandor bezeichnete die Überweisung als einen Routine-Vorgang, der nichts mit der Insolvenz zu tun gehabt habe. Für den Steuerzahler bleiben somit nicht viele Sicherheiten. "Und genau mit denen gibt es auch Schwierigkeiten", bestätigte ein Ministeriumssprecher dann auch auf Anfrage.

Mehr noch: Selbst direkte Konkurrenten haben mittlerweile kein Interesse an der Quelle als Ganzes mehr. "Wir werden Quelle nicht kaufen. Wir glauben nicht, dass hier eine Sanierung erfolgreich möglich ist", sagte Otto-Chef Hans- Otto Schrader noch vor wenigen Tagen in Hamburg. Es dauere Jahre, deren Geschäft wieder auf Vordermann zu bringen. "Diese Zeit haben wir heute nicht mehr", sagte Schrader.

Wirtschaftsexperten sehen deshalb wenig Sinn darin, einem Unternehmen vorerst das Weiterwirtschaften mit einer Geldspritze des Steuerzahlers zu ermöglichen, für das es nicht mal Kaufinteressenten gebe - dafür aber offenbar Schwierigkeiten, Sicherheiten für so einen Massekredit zusammenzubekommen. "Wenn niemand an dem Unternehmen in dieser Form Interesse hat, Arcandor der Bundesregierung auch nicht mehr genug zu bieten hat, lässt man es wahrscheinlich besser mit so einem Massekredit", sagte Professor Sebastian Krause von der Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Essen.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, die Bundesregierung habe bei der Europäischen Union vergangene Woche eine Voranfrage zur Genehmigung eines möglichen Kredits gestellt. In Brüssel sei zugesichert worden, die Hilfen so schnell wie möglich zu prüfen. Jedoch sei bei der Europäische Union bislang noch keine abschließende Entscheidung gefallen.

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