Gasstreit Gazprom schwingt die Keule

Der russische Energiekonzern Gazprom droht Weißrussland mit einer Kürzung der Lieferungen. Die Schulden Weißrusslands beliefen sich auf 244 Millionen Dollar, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller. Die Ukraine werde im Juli Schwierigkeiten mit dem Bezahlen haben.

Moskau - Gazprom  habe Weißrussland aufgefordert, die Schulden zu bezahlen, sagte Miller am Freitag bei der Hauptversammlung von Gazprom in Moskau. Er erwarte eine "konstruktive Antwort". Der Liefervertrag sehe Kürzungen und den Gang vor Gericht vor. Der weißrussische Vize-Regierungschef Wladimir Semaschko erklärte, Weißrussland werde seine Schulden ab August bezahlen.

Rund ein Fünftel des russischen Erdgases für Europa fließt über das Gebiet Weißrusslands, der Rest über ukrainisches Territorium. Kiew werde seine Rechnung über knapp 300 Millionen Dollar für Juni bezahlen können, sagte Miller. Schwierigkeiten seien erneut für den Juli zu erwarten, wenn die Ukraine ihre Untergrundspeicher mit russischem Gas im Wert von 1,1 Milliarden Dollar für den Winter auffüllen will.

Moskau hatte Kiew Anfang des Jahres wegen Streits um die Zahlung den Gashahn zugedreht. Auch zahlreiche europäische Länder bekamen tagelang kein russisches Gas mehr. Die Europäische Kommission will neue Gaslieferstopps mit einem Sondertreffen mit Russland und der Ukraine am Montag verhindern. Bei dem Treffen, an dem auch Vertreter internationaler Finanzinstitutionen teilnehmen, geht es auch um eine mögliche finanzielle Unterstützung für die Ukraine.

Auf der Gazprom-Hauptversammlung wurde der frühere Vorstandschef der größten deutschen Ferngasgesellschaft Eon Ruhrgas, Burckhard Bergmann (66), zum neunten Mal in Folge in den Aufsichtsrat gewählt. Eon  bleibt mit einem Anteil von knapp 3,5 Prozent weiterhin der größte ausländische Aktionär bei dem vom Kreml kontrollierten Gaskonzern.

Außerdem hat Russland Weißrussland einen Kredit in Höhe von neun Milliarden Dollar (rund 6,4 Milliarden Euro) für den Bau eines Atomkraftwerks zugesagt. Die "Frage der Finanzierung" der geplanten Anlage in Weißrussland sei mit Moskau geklärt worden, sagte der weißrussische Vize-Regierungschef Wladimir Semaschko am Freitag vor dem Parlament in Minsk. Demnach bestätigte Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin in einem Brief die Gewährung des Kredits für den Zeitraum von 2010 bis 2018.

Moskau bewilligte der früheren Sowjetrepublik in der Vergangenheit bereits mehrere Kredite. Wegen der im Mai von der EU gegründeten Ost-Partnerschaft mit Weißrussland, Georgien und anderen Ex-Sowjetrepubliken waren die Beziehungen zwischen Moskau und Minsk in jüngster Zeit jedoch gespannt.

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa

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