Nasser Bin Khaled Holding "Wir sind keine Spekulanten"

Eine Blaupause für Porsche? Die Nasser Bin Khaled Holding aus Katar hält seit anderthalb Jahren 25 Prozent der deutschen HWA AG, die DTM-Rennautos und AMG-Sportwagen für Mercedes entwickelt und baut. NBK-Finanzchef Ayman Al-Abbasi sagt im Interview, warum die HWA-Beteiligung für die Kataris kein Kurzfristinvestment ist.
Von Anne Preissner

mm.de: Als NBK sich Ende 2007 für 27 Euro pro Aktie bei HWA  eingekauft hat, haben Sie sich eine Wertsteigerung Ihres Portfolios erhofft. Heute liegt der Kurs bei rund 8 Euro, und auch die nahe Zukunft sieht eher düster aus. Bereut NBK das Investment?

Abbasi: Warum sollten wir? Wer sich bei Daimler  oder der Citigroup  eingekauft hat, steht relativ betrachtet deutlich schlechter da als wir.

mm.de: Aber zufrieden können Sie doch nicht sein?

Abbasi: Aus der Sicht eines reinen Finanzinvestors ist die Kursentwicklung sicher nicht komfortabel. Aber wer konnte schon das Ausmaß der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise vorhersehen? Das hätten wir uns nicht in unseren schlimmsten Träumen vorstellen können, aber jetzt müssen wir damit leben.

mm.de: Sie denken also nicht an einen Ausstieg?

Abbasi: Wir sind keine Spekulanten. Wir tätigen nur strategische Investments, das heißt, wir engagieren uns langfristig. Aus unserer Sicht ist HWA ein starkes Unternehmen, das die Krise mit Sicherheit überstehen wird.

mm.de: HWAs bei weitem wichtigster Kunde ist die Daimler AG, für die das Unternehmen die DTM-Rennwagen und limitierte Sportwagenserien entwickelt und baut. Reicht das als Geschäftsbasis aus?

Abbasi: Die strategische Partnerschaft zwischen HWA und Daimler  war einer der wesentlichen Gründe, warum wir uns an HWA beteiligt haben. Die NBK Holding ist seit Jahrzehnten einer der größten Mercedes-Händler am Persischen Golf, und als uns die Investmentbanker der Deutschen Bank vorschlugen, bei HWA einzusteigen, passte die Firma bestens in unser Portfolio.

mm.de: Welche Vorteile hat HWA durch die NBK-Beteiligung?

Abbasi: Wir machen den Namen bekannt, die DTM-Rennen gewinnen an Popularität, und Sportwagen wie der neue AMG SL 65 Black Series setzen neue Akzente in unserem Geschäft.

"Golfstaaten investieren gezielt in reale Geschäfte"

mm.de: Mischen Sie sich in das HWA-Tagesgeschäft ein?

Abbasi: Selbstverständlich nicht, aber ich studiere die wöchentlichen und monatlichen Updates. Ansonsten bin ich eines von sechs Mitgliedern im HWA-Aufsichtsrat und nehme die Interessen meines Unternehmens in diesem Gremium wahr.

mm.de: HWA fährt bislang gut mit Katar. Haben Sie weitere deutsche Firmen im Auge?

Abbasi: Wir denken darüber nach, aber offiziell ist nichts in der Pipeline. Generell haben wir starke Bindungen nach Deutschland, vertreiben Produkte von Bosch oder Siemens. Die Menschen im Mittleren Osten schätzen die deutschen Waren sehr, weil sie einen hohen Qualitätsstandard haben.

mm.de: QIA, der Staatsfond von Katar, prüft derzeit den Einstieg bei Porsche. Wie ist der Stand der Dinge?

Abbasi: Wir lesen die Zeitungen, genau wie Sie. Mit den Verhandlungen haben wir aber nichts zu tun. NBK ist ein privates Unternehmen, kein Staatsfonds.

mm.de: Noch vor wenigen Jahren wurden Investoren aus dem Morgenland gefürchtet wie Heuschrecken. Heute stehen in den Golfstaaten die Bittsteller aus Deutschland und Europa Schlange ...

Abbasi: Auf beiden Seiten haben sich die Rahmenbedingungen und Einstellungen verändert. Viele Golfstaaten sind von reinen Finanzinvestments abgerückt und investieren gezielt in reale Geschäfte. Wir beispielsweise engagieren uns nur in Bereichen, von denen wir etwas verstehen und die uns und der Region Vorteile bringen.

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.