Sberbank Opel-Einstieg könnte scheitern

Die russische Sberbank hält ein Scheitern seines Einstiegs bei Opel für möglich. Außerdem rechnet das Institut damit, dass eine Vertragsunterzeichnung nicht vor September unter Dach und Fach ist. Unklar ist, ob die Staatsbürgschaft bis dahin reicht. Opel dementiert Berichte, wonach das Unternehmen täglich sechs Millionen Euro verliert.

Moskau - Der potenzielle Opel-Investor Sberbank  aus Russland hält ein Scheitern seines Einstiegs Opel für möglich. Russische Nachrichtenagenturen zitierten den Sperbank-Vorstandsmitglied Denis Bugrow am Freitag mit den Worten, er schließe die Möglichkeit nicht aus, dass das Geschäft kurz vor dem Abschluss noch platze. Der kanadische Zulieferer Magna will sich mit 20 Prozent an Opel beteiligen, die Sberbank und die insolvente US-Mutter General Motors (GM) sollen je 35 Prozent halten, die restlichen 10 Prozent die Mitarbeiter und Händler.

Ein Abschluss des Geschäfts im September sei das optimistischste Szenario, sagte Sberbank-Chef German Gref. "Alles könnte passieren", sagte Bugrow auf der Hauptversammlung der Bank auf die Frage nach einem möglichen Scheitern des Gebots. Der Chef der russischen Zentralbank habe grünes Licht für den Einstieg bei Opel gegeben, teilte die staatlich kontrollierte Bank weiter mit.

Bisher ist nach Einschätzung der Sberbank und von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) jedoch noch keine endgültige Entscheidung für dieses Einstiegsmodell gefallen. Auch der chinesische Autohersteller BAIC und der Ableger RHJ des Finanzinvestors Ripplewood sind Regierungsangaben zufolge weiter interessiert.

Magna hatte sich unmittelbar vor der Insolvenz der ehemaligen Opel-Mutter GM mit dem US-Autobauer, der Bundesregierung und der US-Regierung auf eine Grundsatzvereinbarung über einen Einstieg bei Opel geeinigt. Dieses Memorandum ist zwar Grundlage der staatlich verbürgten Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro, jedoch rechtlich nicht bindend.

Magna und GM wollten ihre Verhandlungen bis 15. Juli so weit abgeschlossen haben, dass ein Vertrag erstellt werden kann, sagte eine mit der Situation vertraute Person unlängst zu Reuters. Um für den Fall gerüstet zu sein, dass die Verhandlungen scheitern, hat Opel aber auch dem chinesischen Autobauer BAIC und dem Ripplewood-Ableger RHJ Einblick in die Bücher gewährt. Medienberichten zufolge hat auch der italienische Autobauer Fiat noch immer Interesse an Opel.

Auch Guttenberg mahnte angesichts der hohen Verluste, die Opel täglich einfährt, zur Eile. Er halte es "angesichts der Finanzlage des Unternehmens für dringend geboten, noch im Sommer eine tragfähige Lösung zu finden". Bislang sei diese nicht vorhanden. Derzeit hält eine Treuhandgesellschaft 65 Prozent der Opel-Anteile, der Rest liegt weiterhin bei GM. Die 1,5 Milliarden Euro der Brückenfinanzierung werden für den laufenden Betrieb und Investitionen verwendet.

Unsicherheit über die Finanzlage von Opel

Nach Angaben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch fällt bei Opel täglich ein Verlust von mehr als drei Millionen Euro an. Verschiedene Zeitungen berichteten unter Berufung auf Kreise, es sei sogar deutlich mehr. Opel wies Berichte über tägliche Verluste in Höhe von rund sechs Millionen Euro zurück. "Diese Zahl ist uns nicht bekannt", sagte ein Opel-Sprecher am Freitag. Genaue Angaben zu der Ergebnissituation machte er nicht. Opel sei mit den Verlusten in der Branche nicht allein, hieß es. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll die Finanzlage des Autobauers auch auf der für Freitag geplanten Aufsichtsratssitzung zur Sprache kommen.

Zuletzt hatten Schlagzeilen die Runde gemacht, GM dringe auf eine Rückkaufoption für Opel. Diese dürfte vor allem dem Finanzinvestor RHJ gelegen kommen. Finanzinvestoren trennen sich naturgemäß nach einigen Jahren von ihren Beteiligungen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Freitag, RHJ wolle einen künftigen Ausstieg bereits vor der Übernahme regeln. In Kreisen hieß es jedoch, dies sei unwahrscheinlich.

Der von GM vereinbarte Verkauf seiner Geländewagenmarke Hummer nach China stößt laut Medienberichten auf Widerstand der dortigen Behörden. China begründe die Ablehnung unter anderem mit dem hohen Spritverbrauch der Hummer-Modelle, berichtete der britische Sender BBC am Freitag im Internet unter Berufung auf den staatlichen chinesischen Rundfunk. Dies widerspreche dem Ziel, die Umweltverschmutzung durch Chinas Industrie zu senken.

Eine offizielle Stellungnahme der Behörden oder der beteiligten Firmen gab es zunächst nicht. Der geplante Käufer Sichuan Tengzhong, ein Spezialmaschinenhersteller, habe überdies zu wenig Erfahrung mit dem Bau von Autos, hieß es. Für den Verkauf braucht GM das grüne Licht der Behörden.

Die im Insolvenzverfahren steckende bisherige Opel-Mutter will sich zur Sanierung von einer Reihe von Marken trennen, so auch von der schwedischen Tochter Saab.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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