Quelle Merkel soll Machtwort sprechen

Der Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat den Antrag für einen Massekredit zugunsten der Arcandor-Tochter Quelle nachgebessert. Es seien schriftliche Ergänzungen nachgereicht worden. Jetzt fordern die Quelle-Beschäftigten eine schnelle Entscheidung - und ein Machtwort der Bundeskanzlerin.

Berlin/Fürth - Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des insolventen Versandunternehmens Quelle, Ernst Sindel, hat ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert. Die Diskussion um die Zukunft des Unternehmens laufe nicht mehr auf der Sachebene, sondern "mittlerweile auf einer hohen politischen Schiene", sagte Sindel am Freitag im Deutschlandradio Kultur.

Quelle gerate zunehmend in die Mühlen des Wahlkampfs. "Hier muss jetzt eine Entscheidung her, und was mich wundert: Die Kanzlerin lässt sich überhaupt nicht hören und sehen", sagte er. Sindel kritisierte vor allem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD): "Da gehen alle in die Vorlage, nur unser Finanzminister nicht." Er habe das Gefühl, dass der bayerischen Landesregierung, die von Anfang an habe helfen wollen, jetzt gezeigt werden solle, wer das Sagen habe.

Sollte der Bund nicht helfen, werde Quelle die bayerische Landesregierung bitten, auch den Rest des benötigten Massekredits von insgesamt 50 Millionen Euro zu übernehmen. Bayern und Sachsen wollen bislang 25 Millionen Euro übernehmen, der Rest soll vom Bund kommen. Steinbrück hatte das Vorgehen von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kritisiert.

Seehofer hatte am Donnerstag verkündet, eine Zustimmung des Bundes zu dem Kredit sei so gut wie sicher. Steinbrück sagte dazu, einen Massekredit über 50 Millionen Euro könne Quelle nur bekommen, wenn die notwendigen Sicherheiten da seien und außerdem die Garantie bestehe, dass die 25 Millionen Euro Anteil des Bundes vorrangig zurückgezahlt würden.

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) ist zuversichtlich, dass Quelle den Kredit schnell erhält. Nachdem die Grundsatzentscheidung gefallen sei, gehe er davon aus, dass diese halte. Er habe kein Verständnis für "diese ständigen Irritationen", sagte Zeil am Freitag im ZDF. Es seien lediglich noch Details zu prüfen und Unterlagen nachzureichen. Dies sei ein üblicher Vorgang, der "aus völlig unverständlichen Gründen hochgezogen wird", sagte Zeil.

Es sei problematisch, dass auf dem Rücken der Beschäftigten "solche verwirrenden Signale gegeben werden". Er fügte hinzu: "Wir waren alle bei der entscheidenden Sitzung, und die Dinge waren soweit klar." Er wolle niemanden etwas vorwerfen, es sei aber "kein professioneller Umgang in dieser schwierigen Phase mit den Dingen" gewesen. Er erwarte jetzt, dass der Kreditantrag "mit der nötigen Schnelligkeit" abgewickelt werde.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kritisierte derweil das Verhalten der bayerischen Landesregierung. Er sei "gelinde gesagt überrascht über das Vorpreschen aus München mit Nachrichten über angebliche Entscheidungen des Bürgschaftsausschusses, die im Kern so auch nicht zutreffend sind", sagte Steinbrück der "Leipziger Volkszeitung".

Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) hatte am Donnerstag versichert, dass der Massekredit des Staates über 50 Millionen Euro nicht mehr schief gehen könne, während Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) betonte, dass es noch keine abschließende Entscheidung gebe.

Die Arcandor-Tochter Quelle benötigt den Massekredit zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs und vor allem für den Druck des neuen Versandkatalogs. Quelle beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter, viele von ihnen in Fürth.

Bayern hat sich bereiterklärt, rund 21 Millionen Euro an Krediten zu geben. Aus Sachsen, wo Quelle im Leipziger Versandzentrum rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt, wurden vier Millionen Euro zugesagt.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.