Schweizer Affäre Der Kaufhaus-Deal der Credit Suisse

Selten ist ein Interessenkonflikt so offensichtlich wie bei einem milliardenschweren Übernahmeangebot, das derzeit die Schweizer Wirtschaft bewegt. Es geht um die Großbank Credit Suisse und um Jelmoli, früher eine Art Karstadt im Heidi-Land.

Hamburg/Zürich - Streit über Interessenkonflikte gehören in der deutschen Wirtschaft zum Alltag. Mal versuchen Aktionäre des Autozulieferers Continental, Aufsichtsratschef Rolf Koerfer abzusetzen, weil der auch für Haupteigentümer Schaeffler arbeitet. Mal zieht VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die Kritik auf sich, weil er als Porsche-Großaktionär vielleicht nicht immer nur das Wolfsburger Wohl im Kopf habe.

Dann ist es wieder die Commerzbank, die einerseits knapp an Kapital ist, andererseits zu fast 25 Prozent im Besitz des Bundes. Und damit womöglich besonders anfällig für politische Wünsche, dem einen oder anderen Krisenunternehmen mit einem Kredit aus der Patsche zu helfen?

Selten jedoch ist der Konflikt so offensichtlich wie bei einem milliardenschweren Übernahmeangebot, das in den vergangenen Wochen die Schweizer Wirtschaft bewegte. Es geht um die Großbank Credit Suisse  und um Jelmoli , früher eine Art Karstadt der Schweiz, inzwischen unter Führung von Mehrheitsaktionär Georg von Opel aufgespalten in ein Investmentunternehmen namens Athris und einen Immobilienkonzern (siehe: "The Nature of the Beast" im aktuellen manager magazin, Heft 7/2009, Seite 23, das seit Freitag (26. Juni) im Handel erhältlich ist).

Das Immobilienunternehmen heißt weiter Jelmoli, aber schon in wenigen Monaten dürfte davon nicht mehr übrig sein als ein ruhmreiches Kaufhaus in der Zürcher Bahnhofstraße. Der Konzern wird aller Voraussicht nach vom Konkurrenten Swiss Prime Site  (SPS) übernommen; und wo man auch hinschaut bei diesem Deal: Die Credit Suisse ist stets dabei.

Die Verwicklungen beginnen bei Georg von Opel. Der in der Schweiz lebende Großinvestor hielt bis vor wenigen Wochen 30 Prozent an Jelmoli. Dann verkaufte er das Paket für knapp 500 Millionen Franken an SPS, bezahlt zur Hälfte in bar, zur Hälfte in SPS-Anteilen. Der Rest der Aktionäre erhielt nur SPS-Anteile: "Für die Aufgabe einer Stimmenmehrheit ist eine Prämie absolut marktkonform", urteilt von Opel. "Und das Angebot der SPS war gegenüber den anderen Aktionären ziemlich ausgeglichen. Sie erhalten ein etwas besseres Umtauschverhältnis, ich dafür einen Anteil Cash."

Beraten worden sei er bei dem Verkauf von Credit-Suisse-Bankern, heißt es in Finanzkreisen. Die Bank selber mag sich nicht dazu äußern, genauso wenig wie zu dem gesamten Fall Jelmoli/SPS.

Credit Suisse profitiert als SPS-Großaktionär doppelt

Eben jene Credit Suisse beriet aber nicht nur von Opel, sie ist auch Großaktionär von SPS. Über verschiedene Investmentvehikel gehören der Bank mindestens 15 Prozent an der Immobiliengesellschaft; und sie profitiert gleich doppelt von dieser Beteiligung. Zum einen kassiert sie Dividenden; zum anderen streicht sie Gebühren dafür ein, dass sie das Immobilienportfolio von SPS verwaltet.

Von Opels 30 Prozent an Jelmoli, bereits als SPS-Besitz eingerechnet, hätte die Bank für das Immobilienmanagement 2008 gut zwölf Millionen Franken kassiert, hat die Investmentbank Merrill Lynch kalkuliert. Dazu kämen weitere Gebühren auf Käufe, Verkäufe und Bauprojekte. "Wie Credit Suisse die möglichen Interessenkonflikte zwischen SPS und ihren anderen Immobilienaktivitäten in der Schweiz regeln will, ist uns nicht vollkommen klar", urteilen die Merrill-Lynch-Analysten.

SPS-Chef Markus Graf jedenfalls scheint mit dem Projekt hochzufrieden. Er freut sich bereits auf "jährliche Kostensenkungen um 25 bis 35 Millionen Franken und ein zusätzliches Ertragspotenzial von 10 bis 15 Millionen Franken". Auch Graf dürfte gleich doppelt erfreut sein. Er ist nicht nur Vorstandschef von SPS. Er leitet zudem das Real Estate Asset Management der Credit Suisse und ist damit so etwas wie der oberste Immobilienmanager der Bank. Auch Grafs Vorstandskollegen bei SPS stehen gleichzeitig in Diensten von Credit Suisse. Finanzchef Peter Wullschleger leitet Finanzabteilung und Controlling des Real Estate Asset Management, der für die Informationstechnologie zuständige Peter Lehmann arbeitet schon seit 25 Jahren in verschiedenen Funktionen für Credit Suisse.

Die Credit Suisse sei einer der größten Kreditgeber von SPS, heißt es in Finanzkreisen. Sie habe den Kauf von Georg von Opels Jelmoli-Anteil finanziert und berate SPS bei dem gesamten Jelmoli-Deal. Gut informiert über das Kaufobjekt dürfte sie gewesen sein. Denn die Bank, man trifft sich immer wieder in der Schweizer Finanzszene, ist auch einer der größten Kreditgeber von Jelmoli - und als solcher bestens vertraut mit der Finanzlage der Immobiliengesellschaft.

Wo man auch hinschaut, die Großbank gewinnt bei der Jelmoli-Übernahme. Selbst die Finanzierung von SPS wird nach Abschluss des Kaufs weniger riskant sein als zuvor. Jelmoli hatte seine Immobilien mit deutlich weniger Fremdkapital finanziert als SPS. Der Käufer profitiert jetzt: Nach einer Fusion würde die SPS-Verschuldung im Verhältnis zum Wert des Konzernportfolios sinken.

Und weil sie selbst auf einen solchen Deal offenbar nie gekommen wären, genehmigten die Credit-Suisse-Leute an der SPS-Spitze ihren Credit-Suisse-Kollegen aus dem Investmentbanking wohl auch noch eine Prämie für die Übernahmeidee. Von einer Finder's Fee in deutlich zweistelliger Millionenhöhe spricht die Branche. "Wahrscheinlich war es ungemein schwierig, Jelmoli auf der Zürcher Bahnhofstraße zu finden", spottet einer aus der Schweizer Finanzszene.