Konjunktur Deutschlands Verbraucher zuversichtlicher

Die Stimmung der Verbraucher bessert sich hierzulande nach Monaten der Stagnation. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigungen der Haushalte sind zuletzt gestiegen. Wie die Unternehmen sehen also auch die Konsumenten wieder zuversichtlicher in die Zukunft - obwohl ihre Einkommen sinken.

Nürnberg - Die Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt nach einigen Monaten der Stagnation wieder einen leichten Aufwärtstrend. Bei den Bürgern wachse die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Konjunktur, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Dienstag in Nürnberg mit. Ein Grund dafür sei der noch recht robuste Arbeitsmarkt. Positive Wirkung auf das Konsumklima zeigten auch die zuletzt bei null liegende Inflationsrate und die deutliche Rentenerhöhung, die zum 1. Juli ansteht.

Für das Konsumklima erwarten die GfK-Forscher im Juli einen Wert von 2,9 Punkten nach 2,6 Punkten im Juni. Allerdings stehe die Bewährungsprobe angesichts künftig steigender Arbeitslosenzahlen noch aus, schränkten sie ein. Bislang versuchten viele Unternehmen, ihre Umsatzeinbrüche mit Kurzarbeit auszugleichen.

Doch diese Möglichkeit sei zeitlich begrenzt. Sollten die Firmen danach keine Anzeichen für eine spürbare konjunkturelle Erholung erkennen, dann seien sie zunehmend gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. "Ein spürbarer Anstieg der Arbeitslosigkeit wird auch das Konsumklima nachhaltig beeinträchtigen"", warnten die Konsumforscher.

"Die niedrige Inflationsrate wird die Anschaffungsneigung zwar weiter positiv beeinflussen. Die Leute haben aber nicht verstanden, dass auf dem Arbeitsmarkt das Schlimmste noch bevorsteht. Die Situation hier wird sich bis Ende 2010 hinein verschlechtern", sagt Commerzbank-Analyst Simon Junker verständnislos.

Reallöhne der Deutschen sinken

Bisher jedoch zeigt sich die Verbraucherstimmung von diesen Szenarien weitgehend unbeeindruckt. Die Konsumenten gingen davon aus, dass der Konjunktureinbruch gestoppt werden könne, hieß es. Die stark abgeschwächte Inflation stimuliere die Konsumneigung, und sinkende Preise wirkten zusätzlich als Kaufanreiz.

Die Neigung, hochwertige Konsumgüter zu kaufen, stieg den GfK-Befragungen zufolge im Juni um zwei Punkte. Im Vorjahresvergleich liege sie sogar um 38 Punkte höher.

"Es ist paradox, dass wir uns in einer tiefen Rezession befinden und sich das Konsumklima sogar noch weiter aufhellt. Allerdings ist das Niveau relativ niedrig, wenn auch nicht ganz so niedrig wie 2002/2003, als wir einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit hatten", kommentiert Sal.-Oppenheim-Analystin Ulrike Kastens das GfK-Umfrageergebnis.

Die Reallöhne in Deutschland sind nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im ersten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr gesunken. Dies ist das Ergebnis des erstmalig berechneten Reallohnindex, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Dabei wird die Entwicklung der Verdienste der Preisentwicklung gegenüber gestellt.

Die rückläufigen Reallöhne resultierten hauptsächlich aus dem schwachen Anstieg der Verdienste um 0,4 Prozent, hieß es. Ursache dafür sei vor allem der Rückgang der Sonderzahlungen gewesen, die im Jahresvergleich um 7,9 Prozent abnahmen. Die Grundvergütung, das heißt die Bruttomonatsverdienste ohne Sonderzahlungen, sei hingegen im gleichen Zeitraum um 1,5 Prozent gestiegen.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa-afx und reuters

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