Iran Weitere Tote in Teheran

Bei den bislang schwersten Unruhen seit der umstrittenen Präsidentenwahl im Iran sind mindestens zehn Menschen getötet worden. 100 weitere Menschen wurden bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften verletzt, wie das staatliche Fernsehen am Sonntag berichtete.

Teheran - Tausende Anhänger der Opposition setzten sich am Samstag offen über ein Demonstrationsverbot und die Aufforderungen des obersten geistlichen Führers Ayatollah Ali Chamenei hinweg und protestierten weiter gegen das offizielle Wahlergebnis. Press TV, eine englische Ausgabe des iranischen Staatsfernsehens, meldete 13 Tote. Der Grund für die unterschiedlichen Zahlen war zunächst unklar.

Das Staatsfernsehen bezeichnete die Demonstranten als "Terrorgruppen" und "Randalierer". Diese hätten auch zwei Tankstellen in Brand gesetzt und einen Militärposten angegriffen. Es ist das zweite Mal, dass staatliche iranische Medien von Toten bei den Protesten sprachen.

Am vergangenen Montag hatten sie sieben Tote bei Zusammenstößen gemeldet. Ein staatlicher Fernsehsender berichtete zudem von einem Selbstmordanschlag am Imam-Chomeini-Mausoleum, bei dem mindestens zwei Menschen getötet und acht verletzt worden seien. Der Schrein liegt rund 20 Kilometer südlich der Innenstadt.

Mit einem massiven Polizeiaufgebot versuchten die Behörden das Demonstrationsverbot durchzusetzen. Wie Augenzeugen berichteten, ging die Polizei mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor, die "Tod der Diktatur" und "Tod dem Diktator" riefen.

"Blutvergießen und Chaos"

Laut einem Bericht des staatlichen Fernsehen wurden am Samstagabend die Tochter des früheren Präsidenten Haschemi Rafsandschani, Faeseh Haschemi, sowie vier weitere Familienmitglieder festgenommen. Sie hätten an verbotenen Demonstrationen teilgenommen. Radsandschanis älteste Tochter Faeseh hatte in der vergangenen Woche bei einer Kundgebung vor mehreren hundert Anhängern von Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi gesprochen. Ihr Vater ist einer der einflussreichsten Politiker im Iran.

Auch Mussawi drohte die Regierung mit Verhaftung, sollten Demonstrationen stattfinden. Der Sekretär des Sicherheitsrats, Abbas Mohtadsch, erklärte, Mussawi werde "für die Folgen illegaler Versammlungen" verantwortlich gemacht. Chamenei hatte am Freitag die Opposition aufgefordert, den offiziell erklärten Wahlsieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad zu respektieren und die Proteste zu beenden. Andernfalls werde sie die Verantwortung für "Blutvergießen und Chaos" tragen müssen. Mussawi denkt aber offenbar nicht daran aufzugeben und forderte erneut die Annullierung der Präsidentenwahl. Auf seiner Webseite wurde am Samstagabend ein entsprechender Brief an die obersten Wahlbehörden veröffentlicht.

manager-magazin.de mit Material von ap

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