Sonntag, 8. Dezember 2019

HRE-Debakel Finanzministerium frühzeitig informiert?

Das Milliardendebakel beim Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat sich offenbar schon früh abgezeichnet. Zudem gehe laut einem Magazinbericht aus den Unterlagen des HRE-Untersuchungsausschusses hervor, dass das HRE-Management Missstände verschleierte.

Hamburg - Am 15. Januar 2008 hatte der damalige Vorstandschef der Hypo Real Estate (HRE) Börsen-Chart zeigen, Georg Funke, mit der Mitteilung über eine Abschreibung in Höhe von 390 Millionen Euro infolge der Immobilienkrise die Finanzmärkte geschockt.

Hypo Real Estate: Am 15. Januar 2008 hatte der damalige Vorstandschef Georg Funke mit der Mitteilung über eine Abschreibung in Höhe von 390 Millionen Euro die Finanzmärkte geschockt
Wenige Tage später habe Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) laut dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL einen internen Bericht über die "Betroffenheit durch Subprime-Krise" bekommen. Kurz darauf erhielt das Ministerium den Angaben zufolge zusätzliche Informationen zur HRE von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

"Die intensive Befragung des Vorstandes führte zur Aufdeckung von Sachverhalten, die der Vorstand bisher selbst in der jüngsten Ad-hoc-Mitteilung nicht andeutungsweise aufgedeckt hatte", habe Bafin-Präsident Jochen Sanio an den zuständigen Staatssekretär geschrieben. Weiter warnte er laut dem Bericht vor einer "möglicherweise erschreckenden Größenordnung".

In einem beiliegenden Vermerk seien Risikopositionen im zweistelligen Milliardenbereich aufgelistet gewesen. Durch die Erklärung der Bank zum US-Geschäft sei "die Glaubwürdigkeit der HRE ohnehin vernichtet worden", hieß es dort. Größere Verluste aus diesen Geschäften "dürften daher kaum durch externe Kapitalzuführungen kompensiert werden können".

"An den Haaren herbeigezogen"

Laut SPIEGEL war behördenintern damit klar, dass bei einer möglichen Schieflage der HRE nicht mehr mit privaten Rettungsgeldern gerechnet werden konnte. Auch der heutige Staatssekretär Jörg Asmussen dürfte den Bericht damals gelesen haben. Sein Kürzel findet sich auf dem Deckblatt.

Das Bundesfinanzministerium wies den SPIEGEL-Bericht über eine frühzeitige Information des Hauses über die HRE-Schieflage am Samstag vehement zurück. Die Behauptung, bereits im Januar 2008 sei das Milliardendebakel der HRE abzusehen gewesen, sei "an den Haaren herbeigezogen", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Er vermute, dass ein scheinbarer Beleg dazu "bewusst missverständlich interpretiert" wurde.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

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