Kommissionschef Müller "Die Hinterzimmermär ist Unsinn"

Klaus-Peter Müller widerspricht dem Bild von Kungelrunden, in denen sich Manager selbst bereichern. Gleichwohl gibt seine Corporate-Governance-Kommission Empfehlungen zu Managergehältern - doch die Politik setzt stattdessen auf ein Gesetz. Im Interview mit manager-magazin.de lässt Müller seine Enttäuschung durchblicken.

mm.de: Herr Müller, der Bundestag hat heute ein "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" beschlossen. Wozu brauchen wir dieses Gesetz?

Müller: Es liegt in der Natur des Primats der Politik, dass sie entscheiden kann, ob sie etwas gesetzlich regeln möchte oder nicht. Richtig ist, dass die Regierungskommission eigene Vorschläge vorgelegt hat, die sie als Angebot an die Politik sah. Die hohen Erfüllungsquoten beim Kodex zeigen, dass dieses flexible Instrument von den Unternehmen akzeptiert wird und anerkannter Bestandteil der Unternehmensführung ist.

mm.de: In Zukunft soll der ganze Aufsichtsrat die Gehälter festlegen, nicht mehr nur ein Ausschuss. Verhindert das Abreden im Hinterzimmer und Selbstbereicherung?

Müller: Die Mär von den Verabredungen in den Hinterzimmern ist Unsinn. Bereits seit Jahren werden alljährlich die Gehälter der einzelnen Vorstandsmitglieder im Detail für jedermann offengelegt. Auch das manager magazin berichtet alljährlich ausführlich über die Vorstandsgehälter. Hinzu kommt, dass bislang jeder Vorstandsvertrag von einem mitbestimmten Gremium abgesegnet wurde. Nun wird der Kreis sehr groß. Ob dies die Qualität der Beratung erhöht, wird allerdings von vielen Experten bezweifelt.

mm.de: Ist jetzt klar definiert, wann eine Vergütung angemessen ist und wann nicht?

Müller: Ein Gesetz wie auch der Kodex kann nur die Rahmenbedingungen für die Festsetzung der Gehälter vorgeben. Die letztliche Entscheidung liegt bei den verantwortlichen Gremien. Die Verantwortung kann ihnen in einem marktwirtschaftlich organisierten System keiner abnehmen. Und das ist auch richtig so. Dabei gilt es, falsche wie auch richtige Entscheidungen entsprechend zu kommentieren.

mm.de: Selbstbehalt für Managerhaftpflicht, längere Fristen für Aktienoptionen, mögliche Gehaltskürzungen - sind Manager, die eigenes Geld riskieren, bessere Unternehmer?

Müller: Primäres Ziel muss sein, die Anreize für langfristig orientiertes unternehmerisches Handeln auf allen Ebenen zu stärken. Dies kommt sowohl im Gesetz wie auch in den neuen Kodexempfehlungen zum Ausdruck. Dazu gehört auch, dass Manager auch an einem möglichen Misserfolg beteiligt werden müssen. Das schärft das Bewusstsein.

mm.de: Ein direkter Wechsel vom Vorstands- auf den Aufsichtsratsvorsitz wird künftig erschwert. Ist solch eine gesetzliche Regel wirksamer als die unverbindliche Empfehlung der Corporate-Governance-Kommission?

Müller: Der Gesetzgeber hat mit der Vorschrift, dass die Wahl innerhalb der ersten zwei Jahre nach Beendigung der aktiven Vorstandzeit nur auf Vorschlag von Aktionären erfolgen kann, die 25 Prozent des Grundkapitals halten, lediglich eine Hürde eingebaut. Die Kommission geht mit ihrer Empfehlung übrigens über das Gesetz noch hinaus. So soll der direkte Wechsel aus dem Vorstand in den Aufsichtsratsvorsitz auch eine vor den Aktionären zu begründende Ausnahme bleiben, wenn die 25-Prozent-Hürde genommen wurde. Eine generelle Cooling-off-Regelung hat auf breiter Front richtigerweise keine Mehrheit gefunden, da sie letztlich dazu geführt hätte, dass wichtiges Wissen aus dem Unternehmen ausgeschlossen worden wäre.

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