Samstag, 7. Dezember 2019

Bankrotterklärung Zentralbanken beklagen Ohnmacht

Großbritanniens Notenbankchef Mervyn King fühlt sich überfordert: Sein Institut habe zu wenig Macht. Selbst die Hasardeure unter den Bankern könnten kaum zurückgepfiffen werden. Mit seiner Warnung steht er nicht allein: Eine weitere europäische Notenbank fordert mehr Einfluss, um Großbanken notfalls dichtzumachen.

Berlin - Führende europäische Zentralbanken haben eingeräumt, den eigenen Bankenplatz nicht unter Kontrolle zu haben. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass die Aufsichten keine Handhabe hätten, um überzogene Risiken der Banker zu vermeiden, warnte beispielsweise die Bank of England. "Warnungen sind wohl kaum effektiv, wenn Leute gebeten werden, ihr Verhalten zu ändern, das ihnen am profitabelsten erscheint", sagte Mervyn King, Präsident der britischen Notenbank. Sein Institut habe zu wenig Macht, um der Verantwortung für die Sicherung der Stabilität des Finanzsystems gerecht zu werden, die der Zentralbank übertragen worden sei.

Nicht genügend Einfluss: Britische Zentralbank beklagt Machtlosigkeit
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat aus diesem Grund Vorkehrungen gefordert, damit auch eine große Bank notfalls aufgespaltet und teilweise liquidiert werden kann, schrieb die SNB in ihrem Finanz-Stabilitätsbericht. Gerade für die Volkswirtschaft der Schweizer könne der traditionsreiche Bankenstandort des Landes zu einem Problem werden, sollten die Geldhäuser in Schwierigkeiten geraten. Die Bilanzsummen der Schweizer Banken beliefen sich schließlich auf das Achtfache des Bruttosozialprodukts (BIP) des Landes. Fast drei Viertel davon entfielen zudem nur auf die beiden Großbanken des Landes, auf Credit Suisse und die UBS.

Zum Vergleich: Deutschlands Banken stünden für gut das Dreifache des hiesigen Bruttosozialprodukts und der Anteil der drei größten Banken an den Bilanzsummen aller Kreditinstitute in der Bundesrepublik belaufe sich nur auf etwa 41 Prozent. Käme es zum Schlimmsten, müsste sich die Schweiz aufgrund dieses Missverhältnisses wohl auf eine Staatskrise einstellen, wie sie Island nach dem Zusammenbruch wichtiger Stützen seines Finanzmarktes erlebt habe, fürchtet die Schweizer Notenbank.

Der Inselstaat musste nach dem Zusammenbruch mehrerer isländischer Banken mit Milliardenhilfen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) vor dem Staatsbankrott gerettet werden.

Die Schweizer Aufsichtsbehörden fordern dann auch strengere Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften für die Großbanken des Landes. Ihre Lage sei auch aktuell nach wie vor schwierig, erklärten die Währungshüter der Schweiz. Die Ertragskraft der Banken und die Fähigkeit, Verluste in einem Geschäftsbereich mit Gewinnen aus anderen zu decken, werde kurz- und mittelfristig wohl niedrig bleiben.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat verstärkte Schritte in der Europäischen Union (EU) zur Regulierung und Überwachung der Finanzmärkte gefordert. Dazu könne ein Systemrisiko-Kontrollrat unter Leitung der Europäischen Zentralbank beitragen, sagte Steinmeier am Donnerstag in einer Regierungserklärung zur Europapolitik im Bundestag.

Die Antwort Europas auf die Wirtschafts- und Finanzkrise dürfe kein Rückfall in nationale Maßnahmen sein. Die EU müsse vielmehr jetzt gemeinsam klarmachen, dass Märkte auch Regeln brauchten.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dow jones und reuters

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