Airbus Milliardenauftrag aus Katar

Angesichts der globalen Luftfahrtkrise senkt Airbus die Produktion, profitiert aber von einem Milliardenauftrag von Qatar Airways. Zur 100. Paris Air Show auf dem Flughafen Le Bourget geben sich Branchenvertreter kämpferisch: Boeing etwa rechnet bereits ab Mitte 2010 wieder mit Wachstum.

Paris - Die Qatar Airways hat am Montag 24 Airbusse für 1,9 Milliarden US-Dollar gekauft. Es gehe um Mittelstreckenflugzeuge der A320-Klasse, sagte Qatar-Chef Akbar Al Baker auf der Pariser Luftfahrtmesse. Der Vertrag schließt einen vorläufigen Auftrag für vier A321 vom Juli 2008 ein.

Die neuen Flugzeuge sollen im Mittleren Osten, in Europa und Indien eingesetzt werden. Katar erweitere auch seinen Flughafen. Der Kapazitätsausbau solle in zwei Jahren abgeschlossen sein, sagte Al Baker. Die Fluggesellschaft vom Persischen Golf hat derzeit 19 A320 sowie vier A340-600 und 29 A330 im Einsatz.

Airbus kann den Milliardenauftrag gut gebrauchen - denn der Flugzeugbauer muss wegen der Wirtschaftskrise mittelfristig seine Produktion zurückfahren. "Wir werden etwa genauso viele Flugzeuge abliefern wie 2008", sagte der Chef des Airbus-Konzerns EADS, Louis Gallois, zum Auftakt Luftfahrtmesse Le Bourget. Schwierig wird es für Airbus in den kommenden Jahren. "2010 und 2011 werden kritischer", betonte Gallois. Für 2010 sei die Produktion von Mittelstreckenflugzeugen der A320-Klasse aber sogar noch überbucht.

Für 2011 erwartet Airbus-Chef Tom Enders einen Rückgang der Auslieferungen um 15 bis 25 Prozent. Schon jetzt drückt Airbus auf die Bremse. So sollen in diesem Jahr nur 14 statt 18 Exemplare des weltgrößten Verkehrsflugzeugs A380 gebaut werden. Pro Monat sollen zudem statt 40 nur 34 Mittelstreckenjets und statt zehn nur 8,5 Langstreckenflugzeuge A330/A340 fertig werden.

Trotz Auftragsmangels keine Entlassungen

Angesichts des Mangels an Ingenieuren und der langfristigen Marktchancen plant Airbus trotz der Krise keine Entlassungen. "Wir müssen in der Lage sein, die Fertigung bei Bedarf zu erhöhen", sagte Gallois. "Deshalb müssen wir vorsichtig mit unserer Manpower und unseren Kompetenzen umgehen."

Enders erklärte den "Schutz der Mitarbeiter und Lieferanten" zur Priorität neben der Sicherung der Auslieferungen. "Kompetente Mitarbeiter sind ganz eindeutig unser größter Aktivposten", sagte er. Den Lieferanten müsse geholfen werden, bei der Fertigungsplanung "im Konvoi" mit Airbus zu bleiben.

Wachsende Bedeutung für EADS haben die Dienstleistungen sowie das Militär- und Raumfahrtgeschäft. Die Sparten ohne Airbus trügen jetzt schon eine Milliarde Euro zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bei, sagte Gallois. Eurocopter spürt den Einbruch zwar wie Airbus. Der Hubschrauber-Hersteller macht aber nur 30 bis 35 Prozent des Umsatzes im konjunkturanfälligen Zivilbereich.

"Noch immer im Schockzustand"

Messe-Aufträge dürften bescheiden bleiben

Von der am Montag beginnenden Pariser Luftfahrtmesse erwartet Airbus keine Auftragsflut wie in früheren Jahren. Die anvisierten 300 Bestellungen in diesem Jahr rücken in weite Ferne. "Wir sind aber nicht verzweifelt", sagte Enders. Die Lieferfristen lägen bei mehreren Jahren. "Wir haben immer noch ein volles Auftragsbuch mit 3500 Bestellungen. Wir opfern keine Margen."

Außerdem sinke das Risiko von Abbestellungen 2010, weil die Wackelkandidaten schon ausgeschieden seien. Die Neuaufträge hätten nichts mit der aktuellen Fertigung zu tun und die Auslieferungen hingen an der Finanzierung.

In diesem Jahr werde Airbus wie im Vorjahr rund 480 Flugzeuge an die Kunden bringen, bekräftigte Gallois. "Die Exportkreditagenturen machen derzeit eine hervorragende Arbeit. Sie finanzieren 40 Prozent der Flugzeuge, die wir 2009 ausliefern." Das ist doppelt so viel wie in normalen Jahren. Den Kunden direkt helfen will Airbus möglichst nicht. "Wir sind keine Bank", sagte Enders. "In ausgewählten Einzelfällen" greife Airbus aber auch zur Kundenfinanzierung.

Airbus-Absturz: "Noch immer im Schockzustand"

Airbus-Chef Tom Anders hat außerdem vor Spekulationen über die Absturzursache der Air-France--Maschine gewarnt. "Man kann sicherlich sagen, dass sich die Luftfahrt-Gemeinde noch immer in einem Zustand des Schocks befindet", sagte Enders am Sonntag vor Auftakt der am Montag in Paris beginnenden Luftfahrtmesse.

"Bitte seien sie geduldig. Eine solche Untersuchung dauert lange und wir sollten keine Ideen entwickeln, weil das ein Thema für Familien, Kollegen und Freunde ist. Sie wissen nicht, ob das, was sie in der Zeitung lesen, richtig oder falsch ist." Jede Spekulation schade der Aufklärung durch die Behörden.

Enders verwies zudem auf Statistiken zu Unfällen mit der Airbus A330, dem Modell, das in der vergangenen Woche mit 228 Menschen an Bord abgestürzt ist. "Sicherlich ist es kein Trost für die Familien, dass Flug-Statistiken im Vergleich zu vor 30 Jahren zeigen, dass die A330 eines der sichersten Flugzeuge ist, das je in Dienst gegangen ist", sagte er.

Der US-Flugzeugbauer Boeing rechnet bereits ab Mitte 2010 wieder mit einem Aufschwung für die Luftfahrtbranche. Die Erholung werde sowohl im Passagier- als auch Frachtgeschäft einsetzen, sagte Scott Carson, Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, am Montag auf der Luftfahrtschau Le Bourget. Die große Frage sei jedoch das Ausmaß der Erholung.

Die Zukunft des Flugverkehrs sieht kurzfristig düster aus. Der Luftfahrtweltverband IATA rechnet für 2009 mit Verlusten der Fluggesellschaften von neun Milliarden Dollar. Die Einnahmen dürften um ein Siebtel auf 448 Milliarden Dollar einbrechen. Der Flugverkehr schrumpft in diesem Jahr stärker als je zuvor in Friedenszeiten.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap und reuters

Fotostrecke: Zur Paris Air Show erwartete Flugzeuge Impressionen: Paris Air Show in Bildern

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