Tag der Wirtschaft "Deutschland muss Exportnation bleiben"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Deutschlands Unternehmer dazu aufgerufen, ihre Spitzenposition im Welthandel zu verteidigen. Die Bundesrepublik falle zurück, wenn die hiesige Wirtschaft nicht exportorientiert handele. Industriepräsident Hans-Peter Keitel warnte seine Kollegen vor überzogenen Staatshilfeforderungen.

Berlin - Deutschland muss nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter auf Exporte zur Sicherung des Wirtschaftswachstums setzen. Es gebe keine Alternative dazu, dass Deutschland eine Exportnation bleibe, auch wenn es von der aktuellen Krise dadurch besonders betroffen sei. Ansonsten werde der Wohlstand in Deutschland aufs Spiel gesetzt, sagte Merkel am Montag auf einer Veranstaltung des Industrieverbands BDI in Berlin.

Die Kanzlerin mahnte, die Beschlüsse der 20 führenden Industrienationen und Schwellenländer (G20) zu den Finanzmärkten umzusetzen. "Wir müssen mit großer Nachhaltigkeit weiter an den Regeln arbeiten."

"Wir dürfen es uns aber nicht leicht machen und in der Krise nach dem Staat rufen", sagte der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel zuvor auf der BDI-Veranstaltung. Bei diesem Rufen müsse es Schamgrenzen geben. Keitel mahnte die Politik, bei ihren Eingriffen nicht nur auf kurzfristige Stellungsgewinne im Wahlkampf zu schauen.

"Es ist bei allem Verständnis für den Zorn über Exzesse und Egoismen die Sorge, dass die Politik beginnt, die Finanzkrise und das Fehlverhalten Einzelner auf die Wirtschaft als Ganzes zu projizieren und daraus die falschen Schlüsse zu ziehen", sagte er. Im Fall Opel zeige die Politik Verhaltensmuster, die sie den Unternehmen vorwerfe: "Sie verhält sich kurzfristig, interessengetrieben und riskant."

Ein Mittelständler habe kein Verständnis dafür, dass ein Opel- Arbeitsplatz mit 200.000 Euro gerettet werde, während er selbst keinen Kredit in dieser Größenordnung bekomme.

Trotz Aufhellung in einigen Branchen sieht der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) noch kein Ende der Wirtschaftskrise. Vor September oder Oktober könne man noch nichts Seriöses zur Dauer der Krise sagen, sagte Keitel. Bei einigen Branchen sei zwar offenkundig zumindest die Bodenbildung erreicht. Allerdings stünden zwei schwache Monate bei der Industrieproduktion bevor.

Der BDI sieht derzeit keine flächendeckende Kreditklemme. Allerdings sei zunehmend eine Liquiditätsklemme festzustellen, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf am Montag. Die Sicherung der Liquidität sei derzeit für die deutsche Wirtschaft das A und O, sagte Schnappauf.

Der Tag der Deutschen Industrie dient Spitzen aus Politik und Wirtschaft zum Gedankenaustausch. Als Redner stehen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, SPD-Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier sowie Wirtschaftsminister Karl-Theodor von und zu Guttenberg (CSU) auf der Tagesordnung.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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