Samstag, 7. Dezember 2019

Forsche US-Banken "Lieber Timmy ..."

Mit Hohn und Spott für den Finanzminister verabschieden sich erste Großbanken in Amerika vom Staat als Aktionär. Herrscht jetzt wieder business as usual, kann die Industrie auf eigenen Beinen stehen? Mancher Bankchef dürfte sich zu früh freuen.

Hamburg - Sein gewinnendes, leicht verschmitztes Lächeln ist das Markenzeichen von Jamie Dimon. Er ist das heitere Gesicht der Wall Street. Der Mann an der Spitze von J. P. Morgan Chase Börsen-Chart zeigen sonnt sich im Erfolg. 2008, für die meisten Kollegen als einzige Katastrophe in Erinnerung, "war möglicherweise unser bestes Jahr", verkündete Dimon fröhlich auf der Hauptversammlung Ende Mai.

Verspotteter Finanzminister: "Lieber Timmy, wir sind froh, Ihnen die 25 Milliarden Dollar zurückzahlen zu können"
Kein Wunder, der Finanzriese verbuchte trotz der Krise einen Milliardengewinn und griff mithilfe der Regierung gleich zweimal zu, als andere große Banken aus Not zu Schnäppchenpreisen verschleudert wurden: bei der Investmentbank Bear Stearns im März und bei der Sparkasse Washington Mutual im September.

Für die Regierung ist Dimon der Vorzeigebanker. Es gebe "viele Banken, die ziemlich gut geführt sind", sagte jüngst Präsident Barack Obama, "und J. P. Morgan ist dafür ein gutes Beispiel". Dieses Lob wird jedoch nicht erwidert. Seit Monaten beschwert sich Dimon lauthals über die Regierung und die im Oktober allen großen Banken aufgezwungene Staatshilfe. Die habe man nur angenommen, ließ er wissen, damit andere nicht als Versager abgestempelt und vom Markt abgestraft würden.

Anfang Juni scherzte Dimon öffentlich über einen Brief, den er Finanzminister Timothy Geithner schreiben wolle: "Lieber Timmy, wir sind froh, Ihnen die 25 Milliarden Dollar zurückzahlen zu können, die Sie uns geliehen haben ... Wir hoffen, Sie haben diese Erfahrung genauso genossen wie wir."

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