Montag, 21. Oktober 2019

Forsche US-Banken "Lieber Timmy ..."

4. Teil: "Wir empfehlen, noch mal von vorn anzufangen"

Gegen die Legende von der Rückkehr zur Normalität sprechen auch die infolge der Rezession steigenden Kreditausfälle. Die größten Probleme bereitet den Banken noch immer der Immobilienmarkt. Nach wie vor fallen die Häuserpreise im Rekordtempo, und immer mehr Hausbesitzer können ihre Kredite nicht mehr bedienen. Eine Zeitlang wurde das dadurch aufgefangen, dass Banken auf Zwangsvollstreckungen verzichteten.

Damit gewannen sie Zeit - die Familien konnten in ihren Häusern bleiben, die Banken mussten nicht sofort den Kreditausfall verbuchen und sich mit beschlagnahmten Immobilien herumschlagen. Doch die meisten dieser Moratorien sind inzwischen ausgelaufen, deshalb stiegen die Zwangsvollstreckungen auf monatlich über 300.000. Analyst John Sim von - ausgerechnet - J. P. Morgan schätzt, dass bis Mitte 2011 weitere 6,4 Millionen Häuser zwangsversteigert werden, was wiederum die Preise belastet.

Den Banken könnten noch größere Verluste und dementsprechend größerer Kapitalbedarf bevorstehen, als im Stresstest für den schlimmsten Fall angenommen wurde. Denn dieses Szenario hatten die Bankenaufseher im Februar konstruiert, bevor ihre Befürchtungen von der Wirklichkeit überholt wurden. Schon wird darüber diskutiert, nur einen Monat nach den Ergebnissen einen zweiten Stresstest anzugehen.

"Wir haben das Worst-Case-Szenario zur Arbeitslosigkeit schon übertroffen", sagte Harvard-Professorin Elizabeth Warren, die einem parlamentarischen Expertengremium zur Kontrolle der Bankenrettung vorsteht, dem Fernsehsender CNBC. Die Arbeitslosenquote erreichte im Mai 9,4 Prozent, Tendenz steigend. Als schlimmsten Fall hatten die Aufseher einen Jahresdurchschnitt von 8,9 Prozent angenommen. Höhere Arbeitslosigkeit bedeutet mehr zahlungsunfähige Kreditnehmer.

Warren kritisierte zudem, dass der Stresstest sich nur auf 2009 und 2010 bezieht. In den Folgejahren bis 2013 liefen aber erst die meisten Hypotheken auf Gewerbeimmobilien aus, deren Ausfallraten erst beginnen dramatisch anzusteigen, weil immer mehr Geschäfte und Büros leer stehen. Am Dienstag soll die von Warren geführte Kommission dem Parlament berichten. CNBC verriet sie schon das wichtigste Ergebnis: "Tatsächlich empfehlen wir, das Ganze noch mal von vorn anzufangen."

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