Freitag, 13. Dezember 2019

Forsche US-Banken "Lieber Timmy ..."

3. Teil: "Das gesamte Bankensystem hat versagt"

Für die Steuerzahler drohe keine Gefahr, signalisiert Geithner. Der Staat habe bereits 4,5 Milliarden Dollar an Dividende auf seine Vorzugsaktien eingestrichen. Die mit der Beteiligung erworbenen Bezugsrechte für stimmberechtigte Stammaktien wolle er sich zum Marktwert von den Banken zurückkaufen lassen, was einen Gewinn auf das achtmonatige Investment verspreche.

Selbstbewusster Bankchef: J.P.-Morgan-Lenker Dimon hält Staatshilfe für unnötig
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Selbstbewusster Bankchef: J.P.-Morgan-Lenker Dimon hält Staatshilfe für unnötig
Darüber hinaus scheint auch die staatliche Bad Bank nicht mehr ganz so dringend benötigt zu werden. Der Start der öffentlich-privaten Kooperation zum Aufkauf fauler Kredite und Wertpapiere wurde mehrmals verschoben. Das Finanzministerium präsentierte zwar mehr als 100 Partner, die sich mit privatem Geld an dem Abenteuer beteiligen wollen. Doch es mangelt an Verkäufern. J. P. Morgan etwa erklärt, man habe auch diese Art der Bilanzbereinigung gar nicht nötig.

Bei aller Freude darüber, dass einige Banken vom Tropf genommen werden können - das Londoner Wirtschaftsmagazin "The Economist" wittert in den Äußerungen von Dimon und manchen Kollegen "Revisionismus". Die erfolgreicheren Banken verleugneten ihren eigenen Anteil an der Finanzkrise, um künftigen stärkeren Kontrollen zu entgehen und im alten Stil weitermachen zu können. In Wahrheit seien auch diese Institute von Staatshilfe abhängig, wenn auch in indirekter Form.

Zentralbanken akzeptierten großzügig Sicherheiten für Kredite, kurzfristige Zinsen auf Rekordtief und implizite Staatsgarantien für Bankschulden erlaubten eine günstige Finanzierung, die Preise von Vermögenswerten würden durch Aufkäufe der Zentralbanken und lockere Bilanzregeln gestützt. Nicht zuletzt verhindere die Staatshilfe für schwache Banken, dass deren Ausfall als Geschäftspartner die starken belastet. "Das gesamte Bankensystem hat versagt, nicht nur einige wenige Firmen", resümiert der "Economist". "Das gesamte System muss jetzt in Ordnung gebracht werden."

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