Freitag, 6. Dezember 2019

Rohstoffe Ölpreis setzt Höhenflug fort

Nach dem gestrigen Jahreshöchststand klettert der Ölpreis weiter. Einerseits wetten immer mehr Finanzinvestoren auf weiter steigende Ölpreise, andererseits hat die Internationale Energieagentur ihre Prognose für den Ölverbrauch leicht angehoben. Es gebe erste Anzeichen, dass die Talsohle bei der Rohstoffnachfrage erreicht sei.

Singapur - Der US-Ölpreis ist erstmals in diesem Jahr über die Marke von 72 Dollar gestiegen. In der Spitze kostete am Donnerstag ein Barrel (159 Liter) US-Rohöl zur Auslieferung im Juli 72,30 Dollar. Im Handelsverlauf gab der Preis leicht auf 71,93 Dollar nach. Das waren immer noch 60 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg zeitweilig um 39 Cent auf 71,19 Dollar. Seit ihrem Tief Ende November bei 35 Dollar haben sich die Ölpreise damit mehr als verdoppelt.

Preisrally: Die leichte Entspannung bei der Nachfrage ist Anlass für eine spekulationsgetriebene Rally beim Ölpreis
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Preisrally: Die leichte Entspannung bei der Nachfrage ist Anlass für eine spekulationsgetriebene Rally beim Ölpreis
Schon am Mittwoch hatte der Ölpreis seinen Höhenflug dank unerwartet deutlich gefallener US-Lagerbestände fortgesetzt und im Verlauf ein neues Jahreshoch markiert.

Händler begründen den Preisanstieg mit der anhaltenden Zuversicht der Investoren über eine stabilere globale Konjunktur im Jahresverlauf. Dies dürfte die Ölnachfrage stützen. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) sieht zusehends Anzeichen dafür, dass die Talsohle des wirtschaftlichen Abschwungs erreicht ist. Entsprechend hob die IEA ihre Prognose für den Ölverbrauch für 2009 erstmals seit fast einem Jahr leicht an.

Die aktuellen Daten deuteten darauf hin, dass der leichte Aufwärtstrend beim Öl von den Industriestaaten, vor allem den USA, ausgehe, schrieb die IEA in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. Die Nachfrage werde im laufenden Jahr dennoch mit 83,3 Millionen Fass pro Tag um 2,47 Millionen niedriger sein als 2008.

Zusätzlich seien die Ölpreise angesichts überraschend schwacher Lagerdaten aus den USA nach oben getrieben worden, hieß es am Markt. Das US-Energieministerium hatte am Mittwoch einen kräftigen Rückgang der Rohölbestände gemeldet.

Die DekaBank berichtete: "Das aktuelle Preisniveau birgt ein Rückschlagspotenzial." Zugleich nagten die höheren Preise an der Quotendisziplin der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). So hätten die OPEC-Staaten ihre Förderung im Mai trotz vereinbarter Kürzungen ausgeweitet.

Seit dem Tief Ende Dezember 2008 bei 35 Dollar hat sich der Ölpreis damit mehr als verdoppelt. Ein Fass der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juli kostete 71,38 Dollar, 58 Cent mehr als am Vortag.

Wegen der Wirtschaftskrise hatten die Experten zuvor einen etwas höheren Rückgang um 2,56 Million Fass veranschlagt. Die IEA hob zugleich hervor, die Daten zum Öl "bedeuten nicht unbedingt den Beginn einer wirtschaftlichen Erholung. Sie könnten auch nur das Erreichen der Talsohle in der Rezession bedeuten." Der Anstieg des Ölpreises sei zudem teilweise auch auf Spekulationen der Investoren zurückzuführen, die bereits jetzt auf eine Erholung der Wirtschaft wetteten.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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